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Hypnose ohne und gegen den Willen

hypnose

In diesem Artikel soll is um die Frage gehen, ob Hypnose ohne Wissen oder gar gegen den ausdrücklichen Willen des Betroffenen erfolgen kann. Der Text wurde Gründlich überarbeitet und wesentlich erweitert (stellt allerdings noch die Rohfassung das; kleinere Überarbeitungen sind noch möglich).

Bei den nachfolgenden Überlegungen stütze ich mich in wichtigen Teilen stark auf eine Arbeit von Martin Orne (1961), die ich für qualitativ hochwertig halte. Texte d’Ornes, eigentlich ein Buchkapitel, stammt von 1961, ist in den zentralen Punkten aber noch immer gültig. Selbstverständlich berücksichtige ich jedoch auch neuere Erkenntnisse und füge weitere Gedanken hinzu; und gerade in dieser neuen Fassung des Artikels erörtere ich auch zusätzliche Gesichtspunkte. (Zu finden ist Ornes Text hier: « Les utilisations potentielles de l’hypnose dans les interrogatoires. »)

Das Thema von Ornes Artikel war der Einsatz von Hypnose gegen Gefangene bei Verhören, et auch am Rande ein hypnotischer « Schutz » eigener Agenten und Soldaten gegen Hypnose, Stress und Schmerz. Eine stark gekürzte Version chapeau Orne unter dem Pseudonyme « Edward F. Deshere » übrigens auch für den amerikanischen Auslandsgeheimdienst CIA verfasst. Dieses Dokument wurde wohl im Jahre 1960 intern und zuerst nur vertraulich publiziert; später war die CIA aufgrund neuer Gesetze gezwungen, viel bis dahin geheimes Material öffentlich zu machen, und ich nehme an, dass der Bericht von « Deshere » in diesem Zusammenhang deklassifiziert und publiziert werden musste. (Orne selolst solin Vorgehen – gemeint ist das Abfassen des offiziell publizierte Buchkapitels – damit gerechtfertigt haben, dass die CIA dumm sein müsste, wenn sie na der Lektüre Hypnose für Verhöre enthepen, Nämlich in der Selbstre mehr beinhaltet als der CIA-Bericht, möchte ich auch diesen hier inaktiv verlinken (Link geht zur Seite der CIA): https: // www. cia.gov/library/center-for-the-study-of-intelligence/kent-csi/vol4no1/pdf/v04i1a05p.pdf (Zum Aktivieren bitte Leerzeichen entfernen)

Tatsächlich hatte ich den CIA-Bericht jedoch gelesen, noch bevor ich Ornes ausführlichere Arbeit, das Buchkapitel, kannte. Die Zitate hier stammen daher auch gewöhnlich aus dem Geheimdienstbericht, wobei sie jedoch identisch quick en dem ausführlicheren « offiziellen » Texte zu finden sind, auf den ich mich ebenfalls beziehe. (Wenn ich im Folgenden aus dem Text « Deshere » zitiere, dann werde ich den Auteur dennoch als « Orne » bezeichnen, da die Identität jenseits aller Zweifel ist.)

Soll mir jedoch nicht um est hier eine Diskussion um die Frage nach der Möglichkeit des Missbrauchs der im Hypnosis Allgemeinen gehen, der, er wäre möglich, mit der sicherlich « Nationalen Sicherheit » gerechtfertigt würde, dieserchrechrechrechrechrechrechrech; ich möchte mich hier vielmehr speziell mit dem Problème auseinandersetzen, obine Hypnoseinduktion ohne das Einverständnis oder gar gegen den ausdrücklichen Willen des Betroffenen möglich ist. Doch nach langer Vorrede zur Sache selbst. Ein Hinweis aber noch: Wenn Sie noch über kein Grundwissen zur Hypnose verfügen und daher an manchen Stellen Verständnisschwierigkeiten haben, könnte Ihnen vielleicht mein Artikel «Hypnose (forschung): Eine kleine Einführung

Einige der nachfolgenden Erörterungen mögen als lange und weit ab vom eigentlichen Thema erscheinen; es wird sich jedoch später noch zeigen, dass sie alle für unser Thema von erheblicher Bedeutung sind.

Fangen wir et …

Fangen wir mit einer einfachen Définition an: Était-ce l’hypnose? Um entscheiden zu können, ob Hypnose ohne oder gar gegen den Willen eines Menschen möglich ist, müssen wir ja wenigstens über eine gewisse Einigkeit verfügen, ob im jeweileiligen konkreten Fall nun überhaupt « Hypnose » norlieg.

Betrachten wir dazu zwei relativ übliche Definitionen, wie man heute in dieser oder ähnlicher Forme de auf sie stößt:

1. Hypnose (Trance) est Zustand fokussierter Aufmerksamkeit, in dem der Hypnotisierte von seinem Erleben absorbiert und bis zu einem gewissen Grade von irrelevanten Umweltreizen abgeschirmt ist. Trance ähnelt damit etwa einer Situation, in der jemand so sehr in ein Buch versunken ist, dass er gar nicht mitbekommt, wenn es an der Tür klopft.

2. L’hypnose (transe) est dans Zustand der vertieften Ruhe und Entspannung.

Beide Definitionen sind natürlich weder perfekt noch umfassend, noch unbedingt force wissenschaftlich; beispielsweise existieren Formen der Hypnose, die ganz ohne Entspannung auskommen. Et doch wird da ganz gut beschrieben, était Hypnotisierte Typischerweise bei der Hypnose erleben, vor allem bei der klinischen Hypnose: nämlich einen Zustand von Absorbiertsein und Entspannung. Als ungefähre und « pragmatische » Beschreibungen können wir solche Definitionen also akzeptieren – zumindest vorerst mal. (Später im Artikel werde ich allerdings schon « wissenschaftlichere » Betrachtungsweisen sowie bestehende Diskrepanzen in der teoretischen Auffassung der Hypnose berücksichtigen, soweit das notwendig ist.)

Damit ergibt sich jedoch sofort ein offensichtlicheshes Problème: Die Frage, ob Hypnose ohne und gegen den Willen möglich ist, wäre jetzt nämlich ungefähr so ​​zu reformulieren:  » zübermüger dazu entspannt) ist? Et que se passe-t-il si soue gegen seinen Willen machbar? Die Antwort lautet natürlich « ja » – auf alle Fälle auf die erste Frage, vermutlich auch auf die zweite. Tatsächlich dürfte est doch sogar recht häufig vorkommen, dass die eine Person die andere in einen Zustand etwa intensiv gebündelter Aufmerksamkeit « versetzt ». Zugleich ist diese Répondre aber natürlich höchst unspektakulär, und es ist völlig klar, dass sie meilenweit an der offensichtlichen Intention des Fragestellers vorbeigeht. Diese kleine Überlegung illustriert jedoch einen wichtigen Gesichtsunkt: Wie sehr sich nämlich unter vielen « Kundigen » bzw. Hypnoseanwendern heutzutage die Vorstellungen über Hypnose von früheren Auffassungen unterscheiden (auch wenn diese Veränderungen der Sichtweise nicht immer konsequent durchgehalten werden).

Früher ging man hingegen ziemlich allgemein zum einen davon aus, dass Hypnose einen radikal veränderten Sonderzustand darstellt, der sich fondamentale vom Wachzustand – Entspannung, Imagination und Meditation eingeschlossen – unterscheidet. Il s’agit de Herrschte die Überzeugung, dass Hypnose eine Art von Schlaf oder Bewusstlosigkeit sei, und manchmal wurde die hypnotische Trance wurde teilweise sogar als eine Verfassung der Willenlosigkeit verstanden. Zweitens war man überzeugt, dass Suggestionen ohne Beteiligung des Subjekts und womöglich sogar ohne seine Kontrolle rein automatisch umgesetzt werden.

Vor dem Hintergrund solcher Grundvoraussetzungen nimmt sich die Frage, ob man jemanden ohne seine willentliche Zustimmung oder gar gegen seinen ausdrücklichen Wunsch hypnotisieren kann, natürlich sinn- et gehaltvoll aus.

Une « définition des arbeits »

Nun benötigen wir aber dennoch irgendeine neutrale Arbeits-Definition der Hypnose für unsere Diskussion, auf die sich alle einigen können, únd die es überhaupt erlaubt, die Fragen nach der « unfreiwilligen Hypnose » wenigstens ins Auge zusen fas. Dabei muss hier das Konzept der Suggestion stark in den Vordergrund rücken (s.o.)

Außerdem sollte für unsere Définition « Hypnose » nicht auf Prozeduren mit formeller Induktion oder offensichtlicher « Trance » beschränkt sein; denn is könnte ja arguyert werden, dass unfreiwillige Hypnos ohne formelle Einleitung oder « ersichtliche » Trance herbeigeführt werden kann. Um unser Thema möglichst breit abhandeln zu können, ohne bereits im voraus bestimmte Optionen auszuschließen, brauchen wir also eine Hypnose-Definition, die möglichst « offen » is keine Antworten präjudiziert und Züften Künsuhrügen Wesen der Hypnose, die kontrovers sind, mit in die Définition einfließen.

Donc schlage ich folgende « Gebrauchsdefinition » vor:

Damit jemand als « hypnotisiert » bezeichnet werden kann, muser er wenigstens in einer Verfassung sein, in der er auf ‘typische hypnotische’ Suggestionen reagiert. Zumeist ereignet sich Hypnose außerdem in einem «hypnotischen Kontext», in dem eine Induktion stattfindet und von ges Hypnose »gesprochen wird. Gewöhnlich ist Hypnose auch mit einem Zustand eines gewissen Absorbiertseins und oft auch mit Entspannung verbunden.

Die Einschränkung «typische hypnotische Suggestionen» ist deswegen wichtig, weil es auch Formen der Appendibilität gibt, die mit hypnotischer Appendibilität nichts zu tun haben; und zumindest etwas Falsches sollte eine Définition nicht beinhalten. Insbesondere ist hypnotische suggestibilität nämlich nicht dasselbe wie soziale Beeinflussbarkeit oder « Gehorsamsbereitschaft » (s.u.). Die Formulierung « … in einer Verfassung sein … » soll neutre gehalten sein gegenüber der Frage, ob diese Bereitschaft vom Willen des Hypnotisierten abhängt oder nicht.

Genau genommen wird « Hypnose » hier aber nicht einmal definiert, et man müsste daher vielleicht besser von einer « Beschreibung » sprechen. Es wird ja nicht gesagt, wann Hypnose vorliegt, sondern nur, était « mindestens » vorliegen muss « , nämlich Reaktionsbereitschaft für Hypnose-typische Suggestionen, et wie Hypnose » gewöhnlich « aussieht. Simpel und banal unsere beuf. « offizielle » Definitionen anlehnt) auch sein mag, und so vage und ungenau: Für unsere Diskussion dürfte eine wesentlich geeignetere Fassung, die « neutral » ist, allgemein akzeptiert werden kann, nicht bereits eine Vorentscheidung in der Sache impliziert und mit deren Hilfe sich die Frage nach der unfreiwilligen Hypnose in einem möglichst weiten Rahmen untersuchen lässt, kaum zu finden sein. Auf der Grundlage dieser « Gebrauchsdefinition » dürften Hipnotiseure in den écoute Fällen in der Lage sein, sich zu einigen, ob im konkreten Fall eine Hypnose wemigstens «möglcherweise» vorliegt oder nicht; und nur darauf soll est uns hier ankommen.

Aus unserer Konzeptualisierung folgt allerdings, dass wir nur dann von « Hypnose » im engeren Sinne sprechen, wenn das « Subjekt » auf Suggestionen und Instruktionen des Hypnotiseurs reagiert oder wenigstens reagieren kann. It’s wäre für eine Hypnose aussi nicht genug, dass ein Hypnotiseur eine andere Person etwa durch Verwirrung vorübergehend in einen hypnotischen – oder dann vielleicht eher « hypnoiden » – Zustand befördert, in dem diese dann völlig passiv bliebe, und nicht in der Lage ist, auf Sugg. Damit man sagen kann, dass der Hypnotiseur eine andere Person wirklich « Hypnotisiert » chapeau, muss der Proband nach unserer Maßgabe vielmehr auf den Hypnotiseur reagieren, jedenfalls soweit er nichts gegen dessen Instruktionen hat und zu ihrer Realisierung fähig (suggestibel genug) ist.

Diese Definitorische Festlegung erscheint jedoch als vernünftig, denn nahezu alle Hypnoseexperten verschiedener teoretischer Orientierung sind sich darin einig, dass zur Hypnose im vollen Sinne ganz wesentlich gehört, dass der « Hypnotiseur » mittels sog. « Suggestionen » die Wahrnehmungen, Gedanken, Gefühle, Vorstellungen und das Verhalten des « Subjekts » beeinflusst (American Psychological Association, o.J.). Für diesen Zugang spricht auch die Tatsache, dass die hypnotische « Guaranteesität » traditionell als donner Kriterium für die « Tiefe der Trance » bzw. für « Hypnotisierbarkeit » angesehen wurde und wird. Dés d’or universels praktisch, von den Anfängen bei Bernheim bis in die heutige Zeit .. Tellement étrange etwa in der Hypnoseforschung die « Hypnotisierbarkeit » resp. « Hypnotische Empfänglichkeit » fonctionne rapidement comme das Maß definiert, in dem eine Person innerhalb eines hypnotischen Kontextes und nach einer Hypnoseinduktion auf typische hypnotische Testsuggestionen (zB zu unwillkürlichen Bewegungen, Halluzinationgie und Amnesiert. ; Kihlstrom, 2008/2012) Als « hoch hypnotisierbar » gelten diejenigen, die auf viele und schwwierige Suggestionen gut reagieren; diejenigen, die hingegen kaum auf Suggestionen reagieren, werden oft als « unhypnotisierbar » bezeichnet. Der Begriffs da er leicht tan verstanden werden kann, als solle damit eine « Unveränderlichkeit » der « hypnotischen Empfänglichkeit » impliziert werden, était jedoch nicht der Fall ist (vglis « Unhbar […] »); aber wer nicht auf Testsuggestionen reagiert, doré à Sinne der Hypnoseforschung als nicht oder bestenfalls » oberflächlich « hypnotisiert. Zudem hat sich gezeigt, dass die Selbsteinschätzung der hypnotischen Tiefe sowie auch Skenn, Skenn « gelten, deutlich mit der hypnotischen Suggetsibilität korreliere (Field, 1965; 2014a, b; Wagstaff, Cole, Brunas-Wagstff, 2008). Insofern sind wir hier auf der sicheren Seite, wenn wir uns in Übereinstimmung mit der Hypnoseforschung » Append Rahmen dieser Diskussion als unabdingbare Eigenschaft der Hypnose auffassen.

In einem klinischen Setting erscheint die « hypnotische Sugibilität » zwar als weit weniger bedeutsam (siehe den gerade verlinkten Artikel « Unhypnotisierbar »). ist, der auch im Alltag auftritt. Aber wie bereits angedeutet: Ein solcher Hypnose-Begriff würde uns für unsere Diskussion jedoch nichts bringen. Wenn man an den « unfreiwillige Hypnose », dann denkt man ja nicht so sehr an den relativ trivialen Fall, dass jemand durch eine andere Person einfach mal kurz in einen Zustand des Absorbiertseins oder der Entspannung « versetzt » werde werde wer werde werde zugestimmt hätte (so). Vielmehr hat der Fragesteller wohl eher die Idee die Idee im Sinn, dass jemand unfreiwillig in einen « ungewöhnlichen » Zustand gerät, in welchem ​​er den Suggestionen einer anderen Person folgen wird.

Dass es sich hier nicht um einen Taschenspielertrick handelt, sondern dass diese unsere Restriktion, dass Hypnose nur dann im eigentlichen Sinne vorliegt, wenn « hypnotische Calculateibilität » Besteht, tch nochmals auf diese Frage zu spre.

Eine moderne Auffassung der Hypnose

Um die Frage nach der unfreiwilligen Hypnose überhaupt sinnvoll stellen zu können, mussten wir theorytisch möglichst sein neutre; euh meurs Répondre zu finden dürfen wir est nicht bleiben.

a) Der hypnotische Zustand

Es besteht heute unter Fachleuten ein großer Konsens darüber, dass der hypnotische Zustand dem Wachzustand zumindest sehr ähnelt und jedenfalls weit « normaler » ist, als die meisten Menschen dies annehmen würden. Insbesondere ist der Hypnotisierte keineswegs bewusstlos oder schlafend, sondern wach und bleibt ganz der Mensch, der er ist; mit seiner Persönlichkeit, seinem Charakter, senneur Intelligenz, seinem Willen, seinen moralischen Überzeugungen und seinen subjectivektiven Einstellungen und Präferenzen. Typischerweise ist die hypnotisierte Person sich auch ihrer Umgebung und der Situation, in der sie sich befindet, ganz normal Bewusst. Darüber hinaus scheint est tellement zu sein, dass das wenigstens « hypnotische Subjekt » unterbewusst sogar praktisch ganz allgemein in der Lage ist, seine Situation und die Bedeutung seiner Handlungen einschätzen, so dass es auf die jeweiligen Umstände angemessen zu reagieren vermag (zum Beleg s.u.). Auch dürfte unbestritten sein, dass die Hypnose manchen Zuständen des normalen Wachseins (« Alltagstrancen ») wie intensem Absorbiertsein, Tagträumen und einigen Formen der Meditation zum Mindesten ähnelt und mit ihnen Verwandt ist.

Tatsächlich existieren darüber hinaus sogar gute Argumente für die Position, dass der Zustand der Hypnose überhaupt kein grundlegend eigenständiger Sonderzustand ist, sondern eine Variation des normalen Wachzustandes darstellt Der « gewöhnliche » Zustand der Hypnose bestünde demnach Typischerweise en Entspannung und besonderem Absorbiertsein bis hin zu einem Erleben wie in tiefer Meditation, zusammen mit der motivierten Bereitschaft, auf die Suggestionen eines Hypnotiseurs zu reagieren. Hypnose und « Alltagstrance » était également demzch prinzipiell nicht verschieden. Der eigentliche Unterschied zwischen der “typischen” Standard-Hypnose und “normalen” Entspannungsprozeduren bestünde Dann nicht im dorso, Darin sondern, dass mit Hypnose bestimmten soziokulturell vermittelten Einstellungen verbunden ist, die das Erleben und des (Das bedeutet natürlich nicht, dass es Hypnose nicht gäbe, dass sie «unecht» wäre oder etwa therapeutisch wirkungslos; auch wird damit nicht abgestritten, dass Hypnotisierte sehr interessante und beeindruckende Erfahrungen machen kenn-art-art- -art Hipnosa).

Donc, bien au-delà des festivités, l’hypnotisme Zustand anerkanntermaßen weit « Normaler » und « Natürlicher » ist, als es der öffentlichen Wahrnehmung entspricht. Die Ähnlichkeiten zwischen Hypnotisierten und Nicht-Hypnotisierten sind wesentlich bedeutender und Ausgeprägter als die Unterschiede.

Man erinnere sich nochmals an die zwei erwähnten « modernen » Hypnose-Definitionen von fokussierter Aufmerksamkeit und Entspannung, die genau diese « Natürlichkeit » der Hypnose zum Ausdruck bringen.

b) Hypnostisches Reagieren als motiviertes, Strategisches Streben.

Wie in zahlreichen Kapiteln ausführlich dargelegt, ist hypnotisches Verhalten dans sensibler und Weise reflektierter auf den Kontext abgestimmt jeweiligen, motiviert, beabsichtigt, und zweckgerichtet: Der zur Kooperation bereite Hypnotisterte intrechetteretteretteretterette intütütütühreh tütühret tütütütühütüm donc, wie er glaubt, meurent dass pour « gutes « Subjekt angemessen sei. Hypnotisiertes Verhalten kann aufgrund seiner zielgerichteten, stratèges Natur daher als « willentliches Handeln » verstanden werden, zumindest in einem ganz wesentlichen Sinne – im Gegensatz zu einem « automatischen » oder reflexhaften Reagieren. Damit soll selbstverständlich nicht abgestritten werden, dass hypnotisches Reagieren « subjektiv » als « unwillkürlich », « mühelos », « automatisch » oder sogar « zwanghaft » erlebt wird, gerade von « guten » Probanden; es lässt sich jedoch zeigen, dass Bereitschaft, Motivation und Absicht « objektiv » von entscheidender Bedeutung sind, mögen sie oft auch nicht bewusst sein. Tatsächlich scheint hypnotisches Reagieren (zuimindest in vielen Fällen) sogar einiges an Aufmerksamkeit und « kognitiver Leistung » zu erfordern, was sich aus dem aus dem Verhalten (z.B.Barnier, 1999) and auch aus neurophysiologischen Messung.

Die « motivation » Sichtweise auf die Hypnose in diesem Artikel belegen zu wollen, würde den Rahmen des Angemessenen beim Weitem sprengen und eine unangebrachte Redundanz mit sich bringen; Denn im Artikel « Einige moderne Ideen zur Hypnose » und in den dort verlinkten Artikel (siehe ggf. die angegebene Fachliteratur) habe ich dies bereits, auch wenn sich natürlich noch weit mehr zu dem Thema sagen ließe. Zur Verdeutlichung seien hier nur einige illustratif Beispiele genannt. Hierzu sei etwa kurz aus dem Artikel « ‘ Tragebnde « Prinzipien […]Zitiert:

Selbst sehr gute hypnotische Subjekte reagieren gewöhnlich nicht länger auf einen maschinell ausgelösten posthypnotischen Trigger, wenn der Experimentator aufgrund eines unvorhersehbaren ‘Zwischenfalls’ das Labor verlassen musste, und wenn en , au centre ville, au centre ville. vgl. auch Spanos, Menary, Brett, Cross & Ahmed, 1987); und gute Probanden reagieren in aller Regel auch dann nicht, wenn der Hypnotiseur augenscheinlich gerade dabei ist, einen hypnotischen Trigger aufzuheben (Sheehan, 1971). Es sich gezeigt, dass hochsuggestible Probanden eine hypnotische Amnesie, die für bestimmte Inhalte induziert wurde, «durchbrechen» können, wenn ihnen vor der Hypnose weisgemacht worden war, dass «tief Hypnotisierte, 1987). Und Barber und Calverley (1966) konnten zeigen, dass die immer gleiche hypnotische Induktion mit den immer gleichen Evidence dazu führt, dass hypnotisierte Personen sich allmählich langweilen und irgendwann immer weniger auf die Testsuggestionen reagieren. Für sich betrachtet scheinen diese (und viele andere vergleichbare) Ergebnisse miteinander nichts zu tun zu haben und einfach «nebeneinander zu stehen». Und tombe avec hypnotisches Verhalten gar als ‘automatenhaftes Reagieren’ betrachten, donc erscheinen sie sogar als verwirrend. Sie werden jedoch alle nachvollziehbar und lassen ihre Gemeinsamkeit erkennen, wenn wir davon ausgehen, dass in all diesen Fällen die motivierte und zur Reflexion fähige hypnotisierte Person sich darum bemüht, zu erleben qu zé tun, ¿ die Motivation etwa bei Langeweile eben irgendwann nachlässt « .

Weiteres Ein, etwas ausführlicheres Beispiel sei noch zu Zwecken der Verdeutlichung angeführt: Tobis und Kihlstrom (2010) GABEN hervorragenden hypnotischen «Subjekten» – der Terminus ist hier nen abenrteen echnerinchein, einem Computerbildschirm stets eine bestimmte Taste zu drücken. Anschließend wurde den Probanden (dans Allen Fällen erfolgreich) Amnesie suggeriert et und alsdann wurden sie « geweckt ». Nun gaben décède Forscher ihnen décède « Wachinstruktion » (meurt également normale Anweisung), auf eine marcher Ziffer mit dem Drücken einer Taste zu reagieren. Posthypnotische Suggestion und « Wachinstruktion » standen sich également dans einem Konflikt gegenüber. In der Hälfte der Fällen folgten die Probanden nun der posthypnotischen Suggestion, die der anderen jedoch der Wachinstruktion. Manche Probanden reagierten dabei vorweigend auf die Posthypnotische Suggestion, andere hingegen vor allem auf die « Wachinstruktion ». Alle Versuchspersonen bis auf eine äußerten oder zeigten zudem Zeichen der Verunsicherung, die offenbar davon herrührte, dass sie sich nicht sicher waren, wie sie denn nun wirklich reagieren sollten. Trotz Amnesie haben die Subjekte offenbar (auf einer unterbewussten Ebene) überlegt, welche Reaktion angemessen ist, und sich entschieden, beiden Aufträgen jeweils bis zu einem gewissen Grade zu folgen. Solche Prozesse der Reflexion und Entscheidung – sowie die Ergebnisse zahlloser anderer Experimente – sin unvereinbar mit der mechanistischen Vorstellung, dass Hypnotisierte « automatenhaft » auf Suggestionen reagieren.

Die These, dass hypnotisches Verhalten sennvoll und motiviert ist, mag dem widersprechen, oftmals zu hören und zu lesen ist, dürfte jedoch innerhalb der Hypnoseforschung praktisch allgemein anerkannt sein, da für sie eine sehr guteche brenz.

Ausblick

Wenn nun der hypnotische Zustand également weit davon entfernt ist, ein bewusstloser, schlafähnlicher Zustand zu sein; wenn er stattdessen dem « Normalzustand » zum Allermindesten sehr ähnelt oder gar als wirklich « eigenständiger » Zustand noch nicht einmal existiert; und wenn das Umsetzen von Anweisungen in der Hypnose letztlich genauso dem Willen und der Kontrolle der betroffenen Person unterliegt wie im « Normalfall »: Dann muss es doch als ziemlich zweifelhaft erscheinen, ob sich die Frage nach einer unfreiwill überhaupt sinnvoll stellen lässt. Und als noch viel zweifelhafter erscheint is unter diesem Gesichtswinkel, ob diese Frage dann noch sonderlich pertinent oder gar « Brillant » ist. Jedoch ich von diesen Schwierigkeiten in dieser Erörterung erst einmal soweit wie möglich absehen und verschiedene Szenarien und Einzelbeispiele für sich diskutieren.

Form der Appendibilität

Pour ne pas être vu Diskussion est wichtig, zu erkennen, dass es nicht nur eine Form der desposibilität gibt, und dass nicht jede Reaktion auf eine Suggestion gleich ist « Hypnose ».

Il existe une eine Form der « Wachsuggestibilität », die der formellen hypnotischen Calculateibilität ganz ähnlich ist. Um sie zu testen, werden den Probanden dieselben Suggestionen gegeben wie bei der der formellen Hypnose (z.B. automatische Bewegungen, Halluzinationen und Amnesie). Jedoch erhalten die Versuchspersonen keine Induktion, und auch das Wort « Hypnose » fällt nicht. Vielmehr wird von einem Imaginationstest gesprochen und den Teilnehmern gesagt, dass sie sich intensiv auf die Suggestionen konzentrieren und sich lebhaft vorstellen sollen, dass deren Inhalt wahr wäre.

Diese « imaginative » Wachsuggestibilität hängt sehr eng mit der formellen hypnotischen Suggestion zusammen und beruht im Wesentlichen auf den gleichen Mechanismen. Woher wissen wir das? Unter anderem durch die Korrelation, den statistischen Zusammenhang: Diejenigen, die bei dieser Art von Wachsuggestibilitätstests gut (bzw.schlecht) abschneiden, schneiden im Allgemeinen auch bei der formellen Hypnose intestin (Bzw. schlechtman) , Brahmann 1999). Das legt – zusammen mit anderen Befunden – nahe, dass imaginative Wachsuggestibilität und hypnotische Calculateibilität im Kern dasselbe sind, oder doch zumindest sehr eng verwandt. Bei diesen Arten von Suggestibilität ist, wie sich zeigt, das (unterbewusste) « Engagement » wesentlich: Der Proband muss motiviert sein und sich bewusst oder unbewusst konzentrieren. (Siehe zum Beleg neben dem oben verlinkten Texte « Einige moderne Ideen » insbesondere das Kapitel « Existiert nur eine Form der Appendibilität » im Artikel « Das Radio […] »; auch für die anderen Ausführungen dieses Unterkapitels sei dieser Text anempfohlen.)

Neben der hypnotischen Suggetsibilität (und der gerade besprochenen quasi-hypnotischen « imaginativen » Wachsuggestibilität) existent jedoch auch ganz anderen Formen der sugiribilität, die mit der Hypnose offenbar nichts oder so gut wie nichts zu tun. So Können zwar etwa Wahrnehmungsveränderungen wie beispielsweise die Halluzination von Wärme oder die eines Geruchs sich auch allein schon deswegen manifestieren, weil die entsprechende Person sie intensiv Erwartet. Wirklich « große » bzw. schwierige Halluzinationen wie z.B. komplette positive et négative visuelle Halluzinationen, die über Illusionen hinausgehen, scheinen jedoch aufgrund von Erwartung apaiser Kaum auftreten. Vor allem jedoch besteht zwischen solchen Formen der « Erwartungssuggestibilität » (sensorischen Sugiereiblität) und der hypnotischen Calculateibilität kaum eine Korrelation, so dass hier offenbar grundlegend verschiedene ursächliche Mechanismen im Spiel sind (Pérez, 2009; Tasso et Pérez, 2008/2012). Entsprechend unterscheiden sich beispielsweise auch hypnotische und Placebo-Analgesie wesentlich: Nur für « Geringsuggestible » hängen Placebo-Effekt und Hypnose eng zusammen (korrelieren stark); nur für sie wirkt Hypnose offenbar wie ein Placebo. Bei Hochsuggestiblen hingegen besteht kaum ein Zusammenhang (kaum eine Korrelation) zwischen hypnotischer und Placebo-Analgesie, und die hypnotische Analgesie ist für sie wesentlich wirksamer als der Placebo-Effekt (vJ.Perry).

Tatsächlich sprechen auch starke weitere Argumente gegen die Annahme, dass die Erwartung bzw. jours passifs Abwarten für das Herbeiführen einer hypnotische Reaktion ausreicht – eine solche setzt vielmehr eine bewusstes oder unterbewusstes Voraus « Engagement ». Ansonten kommt keine hypnotisches Reaktion zustande. Das Subjekt muss im Fall der Hypnose seine kognitiven Fähigkeiten wie Aufmerksamkeit, Imagination und Dissoziation zielstrebig einsetzen, um ein hypnotisches Phänomen zu erzeugen. (siehe neben dem zuletzt verlinkten Artikel “Das Radio [….] »Auch Kallio et Revonsuo, 2003; Wagstaff, Toner et Cole, 2002; vgl. Auch Mallard, 2002).

Dienes und Perner (2007) apporte so zum Ausdruck: « Daher werden Halluzinationen und andere Phänomene der Hypnose nur dann auftreten, wenn sie Strategisch angemessen sind (White 1941; Barber 1969; Sarbin und Coe 1972; Spanos 1986), da die relentennten Absichten nur dann gebildet werden, wenn sie Strategisch und kontm Fehlt die Absicht zu visualisieren, wird das Sehen unter klaren Sichtbedingungen entscheidend durch die tatsächliche Situation der Dinge geprägt.

Mit aledem sei natürlich keineswegs die gut belegte Tatsache in Zweifel gezogen, dass positive Erwartungen förderlich für die hypnotische Reaktion sind – nur sie genügen wie gesagt nicht. Somit existieren too – neben weiteren – zwei grundsätzlich zwei verschiedene Arten von Suggestibilität, durch die « hypnosetypische » Phänomene wie z.B. Wahrnehmungsveränderungen zustande kommen können: a) Hypnotische (und hypnoseähnliche) Suggestions et b) reiner “Erwartungssuggestibilität” (sie tatsächlich selbst wieder en viele Unterformen zerfällt). Womöglich existieren auch noch andere Arten der Suggestion, die die Wahrnehmung zu beeinflussen vermögen, etwa im Zusammenhang mit Schock, Überraschung und reflexhafter Reaktion.

Auch von sozialer Beeinflussbarkeit, «Manipulierbarkeit» oder «Gehorsam» ist Hypnose grundverschieden, était wiederum die Korrelationen zeigen (z.B. Hilgard, 1965; Moore, 1964; Pérez, 2009; Tasso & Pérez, 2008/2012). Weiterhin wäre noch anzumerken, dass « therapeutische Empfänglichkeit » nicht einfach dasselbe wie hypnotische Suggestion Sugitität ist. Zwar besteht eine Korrelation zwischen dem Erfolg einer Hypnotherapie und der gemessenen hypnotischen Sugiribilität, aber die ist nur moderat; und vor allem sprechen manche Menschen mit geringer Sugiribilität exzellent auf Hypnotherapie an (für einen kleinen Überblick siehe Heap, 2011).

Folgerungen für die hypnotische Induktion

Diese vorgestellten Überlegungen – vor allemands diejenige, dass Hypnose wesentlich in einer motivierten, zielgerichteten Reaktionsbereitschaft besteht – implizieren, dass auch eine «normale» Hypnose-Induktion nicht etwas ist, was mit dem Hypnotisan geschehen würde, sondern etwas, était er tut. Denn im Regelfall stellt eine Induktion sicher eine besondere Form der hypnotische Suggestion dar, so dass für sie dieselben Regeln gelten wie für die Reaktion auf andere hypnotische Suggestionen. (Das wird übrigens wiederum durch Korrelationsstudien bestätigt; in diesem Fall zwischen der Schnelligkeit, mit der der Hypnotis et bei der Fixationsmethode die Augen schließt und seiner Suggestibilität.) Aus dieser Formulierung folgton également eigentl a priori, dass eine Induktion ohne oder gegen den Willen unter Normalbedingungen praktisch unmöglich ist – wie diese Aussage jedoch mit dem Phänomen der überraschenden Blitzhypnose oder anderen Beispielen von vermeintlich unfreiwiller Hypnose vereinbar

Eine zweite, ebenfalls bedeutsame Konsequenz ergibt sich ebenfalls aus Obigem: Wenn “hypnosetypische” Phänomene wie z.B. Analgesie oder Halluzinationen auftreten, im weitesten Sinne sogar durch eine “Suggestion” hervorgerufen werden, so muss deswegen noch keineswegs Hypnose vorliegen; weder in einem engen noch in einem weiteren Sinne. Vielmehr kann das entsprechende Phänomen auch auf von der Hypnose grundlegend verschiedenen Mechanismen basieren; dies ist jeweils im Einzelfall zu erörtern.

Zwei grundsätzliche Überlegungen

Die Frage, ob Hypnose-Induktionen ohne und gegen den Willen des Betroffenen möglich sind, hat ihre Tücken. Das hat vor allem mit zwei Sachverhalten zu tun:

1) Hypnotischer Zwang: Subjektives Erleben vs. “objektives” Verhalten.

Hypnotisierte, vor allem “gute” tief hypnotisierte Subjekte, können bei der Hypnose das Gefühl eines Zwanges empfinden. Alternativ ist es sogar möglich, dass sie rein unterbewusst Suggestionen nachkommen, also beispielsweise etwas schreiben, ohne sich überhaupt bewusst zu sein, dass die das tun. Oder sie realisieren zwar, was sie tun, wissen aufgrund einer Amnesie für die Suggestion jedoch nicht, warum sie etwas tun. (Die beiden letzten Möglichkeiten beziehen sich vor allem auf die Posthypnose.)

Würde man solche Phänomene zum Kriterium erheben, ob Hypnotisierte die Kontrolle über sich selbst beibehalten, so müsste die Antwort negativ ausfallen: Es kann nämlich sehr wohl der Fall sein, dass eine “tief hypnotisierte” Person beispielsweise einen hypnotischen “Zwang” erlebt, den sie trotz bester Bemühungen nicht zu überwinden vermag. So gesehen – und in radikalem Widerspruch zu den obigen Ausführungen über die Bedeutung von Motivation und Engagement – scheint Hypnose also das perfekte Werkzeug zur völligen Manipulation eines Menschen zu sein.

Die erlebte Unwillkürlichkeit ist jedoch nur die eine Seite der Medaille. Es gibt noch eine ganz andere, und die sieht so aus, dass der Gehorsam “tief Hypnotisierter”, auch wenn sie sich subjektiv unfreier fühlen können, objektiv gesehen keineswegs größer ist als der von “Wachen”. “Tief Hypnotisierte” kommen unangenehmen Befehlen nicht öfter oder in höherem Maße nach als vollkommen “wache” Personen, denen mit demselben Nachdruck die gleichen Befehle gegeben werden und zu denen der Experimentator die gleiche soziale Beziehung aufgebaut hat. Dies gilt sowohl für hypnotische wie auch posthypnotische Suggestionen und wurde durch eine Reihe von Experimenten bestätigt. Ja, wenn es überhaupt eine Tendenz gibt, ist der Gehorsam “Wacher” eher sogar größer als derjenige der Hypnotisierten.

Der Unterschied zwischen Hypnotisierten und Wachen besteht eher darin, dass manche Hypnotisierte für ihren Gehorsam die Hypnose verantwortlich machen – obwohl sie wie gesagt objektiv nicht gehorsamer als die “Wachen” sind. Es scheint also ganz so, dass gute Subjekte in einem ganz wesentlichen Sinne eher das Gefühl der Selbstbestimmung als die Fähigkeit zur Selbstbestimmung verlieren.  (Siehe etwa auch den Artikel “Einige moderne Ideen […]”; zudem: Calverley & Barber, 1965, zit. in Barber, 1969; Coe, Kobayashi & Howard, 1972, 1973;  Laurence & Perry, 1988; Levitt, Aronoff, Morgan, Overley & Parrish, 1975; Orne 1966; Orne & Evans, 1965.) Mit Orne (1962) würde ich zudem meinen, dass das Gefühl der Unfreiheit keinen zwingenden Beweis für das tatsächliche Fehlen von Freiheit darstellt; so wie auch umgekehrt das Gefühl der Willensfreiheit nicht notwendig einen Beweis für das Vorhandensein der Letzteren ist.

Die zitierten Forschungen  – wie auch andere Befunde, die ich hier nicht diskutieren kann – sprechen dafür, dass auch beim vermeintlichen hypnotischen Zwang die (unterbewusste) Kooperationsbereitschaft des Subjekts essentiell ist. Der Hypnotisierte erlebt das Gefühl des Zwangs, gegen den er sich nicht zu wehren vermag, aber er erlebt ihn, weil er motiviert ist, ein “gutes hypnotisches Subjekt” zu sein; und dazu gehört unter Umständen eben genau dieses Erleben von Unfreiheit.  Nur weil das “Subjekt” auf einer unbewussten, aber hierarchisch höheren Stufe kooperativ ist, erlebt es den “Zwang”; und nur, weil seine dissoziativen Fähigkeiten ausreichen, um dieses Erleben zu generieren.

Zu bedenken ist außerdem, dass die Motivation zum Mitmachen – ob bei Hypnotisierten oder Wachen – auch von sozialem Druck herrühren kann. Unter solchen Umständen kooperieren die Versuchspersonen oft, jedoch nicht “gerne” und sind daher in gewissem Sinne zur Kooperation “gezwungen”. Jedoch handelt es sich hierbei keineswegs um einen speziellen “hypnotischen Zwang”, sondern nur um sozialen Druck. Dennoch werden gute hypnotische Probanden u.U. genau diesen Druck der Hypnose und nicht den sozialen Bedingungen zuschreiben, auch wenn diese Interpretation durch eine nüchterne Analyse wie ausgeführt nicht gedeckt wird. Wir sollten dabei insbesondere im Auge behalten, dass die Gehorsamsbereitschaft der meisten Menschen – völlig unabhängig von Hypnose – sehr viel größer ist als allgemein angenommen; man denke z.B. an die Milgram-Experimente.

Es liegt nun auf der Hand, was für Konsequenzen diese Überlegungen für unser eigentliches Thema beinhalten. Wenn Menschen, die gut auf Hypnose reagieren, für Suggestionen während der Hypnose das illusionäre Gefühl des Zwanges erleben können, dann können sie vermutlich auch für Induktions-Verfahren einen solchen, ebenfalls illusionären Eindruck des Zwangs empfinden. (Tatsächlich ist ja wie gesagt die Wachsuggestibilität eng mit der hypnotischen verwandt und zudem recht hoch.) Selbst wenn jemand also das starke Gefühl hat, sich nicht gegen eine Induktion wehren zu können, ist damit noch keineswegs entschieden, ob er sich tatsächlich nicht wehren kann, oder ob er “unterbewusst” motiviert mitmacht. (Wie weit eine rein “unterbewusste Kooperation” gehen kann, zeigt besonders beeindruckend der Fall von Pattie.)

Praktisch bedeutet das insbesondere, dass Versuche zu einer vorgeblichen Induktion ohne oder gegen den Willen der Betroffenen mit erheblicher Vorsicht zu bewerten sind, insbesondere, wenn eine Vertrauensbeziehung zwischen Hypnotiseur und Subjekt besteht, oder wenn der Test in einem geschützten Rahmen oder in einer Atmosphäre der Sicherheit durchgeführt wird. Ebenso ist natürlich auch dann Zurückhaltung bei der Interpretation geboten, wenn die vermeintlich unfreiwillige Induktion in einem Kontext stattfindet, wo es um Veranstaltungen, Treffen oder Experimente zu Themen wie “Hypnose” oder vielleicht auch “Psychologie” überhaupt geht, oder wo mehrere Personen positive Einstellungen zur und Interesse an der Hypnose haben und dies voneinander wissen. Der gleiche Einwand gilt, wenn eine Hypnose-Induktion “gegen den Willen” unter sehr starkem sozialem Druck durchgeführt wird. In all diesen Fällen muss wenigstens hinterfragt werden, ob die Hypnose wirklich unfreiwillig war oder womöglich doch auf einem impliziten Einverständnis beruht, das durch Vertrauen, Interesse oder auch sozialen Druck bedingt sein kann.

2) Die “analytischen” Fähigkeiten guter hypnotischer Subjekte

Wir begegnen jedoch noch einer weiteren zentralen Schwierigkeit. Im Gegensatz zu dem, was man oft hört und liest, sind “tief Hypnotisierte” keineswegs geistig beschränkt oder begriffsstutzig. Vielmehr analysieren und reflektieren sie die jeweilige Situation gründlich und subtil und passen an ihr Verhalten an sie an. Gewöhnlich bedeutet das, dass sie die Absichten des Hypnotiseurs nicht nur erraten, sondern  ihnen auch entsprechen wollen. (Dabei “manipulieren” sie jedoch nicht absichtlich; typischerweise sind sie sich nicht bewusst, dass ihr Verständnis vom Zweck des Experiments ihr Verhalten beeinflusst.) Die impliziten Suggestionen der Situation, auf die die Probanden reagieren, werden als “Demand Characteristics” bezeichnet (Orne 1959, 1970). Auch “dissoziative” Phänomene wie Amnesie oder Halluzinationen ändern nichts an den Fähigkeiten Hypnotisierter, die Lage akkurat einzuschätzen, denn in diesem Fall finden die Reflexionsprozesse offenbar unbewusst, aber unvermindert intelligent und subtil statt (siehe z.B. die Artikel “Hypnotische Rolle[…]“, “Ornes Experiment mit den Münzen“, “Youngs Experiment“, “Patties Experiment“, “Hypnotische Halluzinationen“). Auch nicht-hypnotisierte Probanden sind natürlich wie Hypnotisierte in der Lage, oft erstaunlich genau die Absicht eines Experiments zu “durchschauen.” Hypnotisierte scheinen jedoch “misstrauischer” zu sein, eher zu erraten, dass eine vermeintlich ernste Situation womöglich nur ein harmloser Test sein könnte (z.B. Coe, Howard & Kobayashi, 1972).

Was die “Compliance” tief Hypnotisierter im allgemeinen angeht – beispielsweise gemessen an der Bereitschaft, schmerzhafte Elektroschocks zu ertragen -, so lässt sich zeigen, dass er keineswegs höher ist als die “Wacher” (vgl. Orne, 1966). Als sehr schwierig hingegen hat sich erwiesen, den Gehorsam von Hypnotisierten gegenüber vermeintlich verbrecherischen Befehlen zu testen. Das liegt daran, dass die Probanden sich bewusst oder unbewusst zusammenreimen, dass solche Versuche in Wahrheit geschützt und sicher sein müssen (vgl. z.B. den Artikel “Youngs Experiment“).

Es ist auch hier klar, welche Konsequenzen sich ergeben: Eine Versuchsperson, die gegen ihren Willen hypnotisiert werden soll, durchschaut womöglich (und sei es unterbewusst), dass es sich vermutlich um ein harmloses Experiment handelt. Diese Möglichkeit kommt natürlich vor allem wieder dann in Betracht, wenn zwischen Hypnotiseur und Versuchsperson ein Vertrauensverhältnis besteht, oder wenn die Umstände des Experimentes die Harmlosigkeit des Geschehens nahelegen, etwa durch das Vorhandensein eines geschützten Rahmens; oder wenn genug Zeugen anwesend sind, oder auch wenn die Folgesuggestionen in sich harmlos sind. Auch hier müsste im Einzelfall sorgfältig nachgeforscht werden, wie potentielle Probanden die Situation womöglich erleben.

Methodische Probleme, die sich hieraus ergeben:

Es dürfte also klar sein, dass ganz erhebliche methodische Probleme bei unserem Thema bestehen. Natürlich könnten wir es uns auch leicht machen und sagen, dass dort eine Hypnose gegen den Willen erfolgt, wo das subjektive Gefühl der Unfreiheit vorliegt. Damit gingen wir jedoch an einem wichtigen, ja, dem vielleicht wichtigsten Aspekt der Sache vorbei und würden bereits an der Oberfläche des Problems zum Stehen kommen. Tatsächlich können wir vernünftigerweise nur dann von “Hypnose ohne respektive gegen den Willen” im eigentlichen Sinne sprechen, wenn wir davon ausgehen dürfen, dass auch auf einer übergeordneten unterbewussten Stufe kein Einverständnis für die Hypnose besteht.

Wir befinden uns somit in einer methodisch im Grunde zwiespältigen Situation, die man so formulieren kann:

Je mehr eine “unfreiwillige” Hypnose in einem geschützten Kontext erfolgt, je weniger sich der Betroffene bedroht fühlen muss, je eher er positive Einstellungen zur Hypnose und ein Vertrauensverhältnis zum Hypnotiseur hat, je mehr sein implizites Einverständnis angenommen werden darf, desto unbedenklicher ist ein solcher Versuch ethisch und rechtlich, aber auch um so weniger aussagekräftig. Je bedrohter hingegen der (unfreiwillige) Proband ist, je weniger er von einem harmlosen Versuch ausgehen kann, je weniger ein implizites Einverständnis anzunehmen ist, desto aussagekräftiger wäre einer Untersuchung, aber desto bedenklicher wäre sie zugleich – sowohl ethisch wie juristisch.

Selbstredend befürworte ich keine ethisch oder rechtlich problematischen Versuche; es geht mir hier nur darum, die methodischen Probleme zu benennen, die für unsere Diskussion essentiell sind.

Die methodischen Schwierigkeiten sind also erheblich; und doch ist es m.E. möglich, das Thema sinnvoll zu erörtern und zu rational begründeten Schlüssen zu gelangen. Zur besseren Gliederung werde mich die folgende Erörterung in einige Kapitel aufteilen. Tatsächlich ist eine solche Trennung jedoch etwas künstlich, denn oft stehen die verschiedenen Fragen miteinander im Zusammenhang, und die Antworten erhellen sich gegenseitig.

Hypnose gegen den Willen

Etwas anderes als die Hypnose “ohne das Wissen” des Betroffenen, und damit auch ohne sein explizites Einverständnisses, ist die Hypnose gegen dessen expliziten bewussten Willen.

Bevor wir uns speziell der Frage nach der Induktion gegen den Willen zuwenden, zu der leider wenig verwertbares Material existiert, soll es uns kurz um ein eng verwandtes Thema darum gehen: ob nämlich tief hypnotisierte Personen Suggestionen erfolgreich wiederstehen können. Zu dieser Frage lassen sich die Ergebnisse so zusammenfassen, dass die Antwort ganz von den “Metasuggestionen” bzw. “Demand Characteristics” abhängt.

Spanos, Cobb und Gorassini (1985) etwa experimentierten mit vier Gruppen hochsuggestibler Testpersonen, die den Auftrag erhalten hatten, hypnotischen Suggestionen zu widerstehen. Die erste Gruppe A war eine Kontrollgruppe, der keine besonderen Erwartungen vermittelt worden waren. Einer zweiten Gruppe B war hingegen gesagt worden, dass gute hypnotische Subjekte nicht widerstehen können; einer dritten Gruppe C wurden ambivalente Informationen gegeben: Der Experimentator sagte ihnen, dass er selbst nicht weiß, ob tief Hypnotisierte die Suggestionen zwanghaft ausführen müssen oder ihnen widerstehen können. Einer vierten Gruppe D wurde auf glaubwürdige Weise mitgeteilt, dass tief hypnotisierte Personen sich einer Suggestion zu verweigern vermögen. Das Ergebnis fiel entsprechend aus: Die Mitglieder der Kontrollgruppe A, denen keine Vorab-Informationen gegeben worden waren, und diejenigen, denen gesagt worden war, dass ein Widerstehen nicht möglich sei (Gruppe B), konnten auch kaum widerstehen. Die Subjekte aus Gruppe D hingegen, denen die Möglichkeit des Widerstandes in Aussicht gestellt worden war, widerstanden den Suggestionen praktisch zu 100%. Die Gruppe C mit den ambivalenten Informationen reagierte im Sinne eines Kompromisses; überwiegend folgte sie den Suggestionen (widerstand nicht), allerdings nicht in dem Maße wie die Mitglieder von A und B.

Ähnliche Versuche bestätigten die Ergebnisse von Spanos et al. (siehe dort sowie Lynn, Kirsch & Hallquist, 2008/2012), und die einzige sinnvolle Interpretation lautet, dass tief Hypnotisierte die Kontrolle über ihr Verhalten beibehalten und in der Lage sind, Suggestionen zu widerstehen (Dass dies tatsächlich so folgt, muss ein andermal genauer ausgeführt werden.)

Diese Erkenntnisse werden, wie bereits weiter oben ausgeführt, durch eine Serie von Experimenten zum Gehorsam Hypnotisierter im Allgemeinen komplementiert, die alle zeigen, dass “Wache” in mindestens demselben Maße zu Gehorsam gegenüber “unangenehmen” Befehlen bereit sind wie “tief hypnotisierte” Subjekte, wenn derselbe soziale und situative Druck besteht. Zusammengenommen spricht die verfügbare Evidenz also sehr klar dafür, dass das motivierte hypnotische Subjekt versucht, sich so zu verhalten, wie es glaubt, dass dies von ihm erwünscht ist und erwartet wird. Stets basiert das Verhalten des Probanden dabei aber auf der Motivation und Bereitschaft, das Experiment zu unterstützen – und auf seinen reflektierten strategischen Bemühungen.

Diese Ergebnisse besitzen auch direkt für unsere Frage eine erhebliche Relevanz. Mein Argument geht so: Es wäre für einen Hypnotiseur in aller Regel mit Sicherheit deutlich leichter, einer bereits “tief hypnotisierten”, tranceerfahrenen Person, zu der eventuell sogar bereits ein guter Rapport besteht, eine harmlose Suggestion “aufzuzwingen” als eine “hellwache” Person gegen ihren Willen zu hypnotisieren. Wenn aber nun schon das erste unmöglich ist – es sei denn auf Grundlage einer unterbewussten Kooperationsbereitschaft, so dass kein wirklicher Zwang vorliegt – dann muss das zweite erst recht unmöglich sein.

Es ist also mit gutem Grund davon auszugehen, dass eine Induktion gegen den ausdrücklichen Willen nicht möglich ist – bzw. nur in einem sehr eingeschränkten Sinne und nur dann, wenn eine übergeordnete (wenn auch unterbewusste) Motivation besteht.

Direkte systematische Untersuchungen zu dieser Frage sind mir nicht bekannt bis auf ein privates Experiment, dessen Details ich jedoch nur ungenügend kenne. Soviel davon ist mir allerdings bekannt: Die Probanden machten völlig freiwillig bei dem Versuch zur Frage mit, ob sie gegen ihren Willen hypnotisiert werden könnten; das konnten sie dann auch. Hier bestand also von vornherein eine erhebliche Kooperationsbereitschaft: Die Versuchspersonen waren bereit, als Probanden bei einem Hypnose-Experiment mitzumachen. Höchstwahrscheinlich bestand auf Seiten der Versuchspersonen erhebliches Interesse an der Hypnose, und ziemlich wahrscheinlich auch eine positive persönliche Beziehung zum Hypnotiseur. So interessant dieser Versuch ist, sagt er m.E. weit mehr über die “Demand Characteristics” aus als über die Frage nach der “Hypnose gegen den Willen”. (Ganz ähnliche Experimente im Kleinen bzw. mit Einzelpersonen begegnen einem ab und an, auf die dieselben Einwände zutreffen.)

Sehr zu vermuten ist, dass die Versuchspersonen bei einem Experiment dieser Art einer Induktion problemlos widerstehen könnten, wenn ihnen dies überzeugend vermittelt würde; analog wie bei der Untersuchung von Spanos et al. (1987).

Daneben existieren Berichte von seltenen Einzelfällen, die alle relativ ähnlich zu sein scheinen. So berichtete beispielsweise ein Showhypnotiseur glaubwürdig von einer Person, die offenbar so begeistert von seinen Vorstellungen war, dass sie mehrfach hintereinander seine Veranstaltungen besuchet. Sie war ein sehr gutes Subjekt und ging immer gleich “in Trance”, selbst wenn sie noch im Publikum war – und wurde dann auf die Bühne gerufen. Daran störte sich diese Person irgendwann, da sie eigentlich die Show als Zuschauerin genießen wollte. Sie vermochte jedoch den Suggestionen des Hypnotiseurs nicht zu widerstehen und kam jedes mal auf die Bühne. Es dürfte hier jedoch klar sein, dass jene Probandin offensichtlich sehr positive Einstellungen sowohl zur Hypnose wie zu dem Hypnotiseur wie zur ganzen Show hatte. Zu  ihrem eigenen “Hypnotisiert-Werden” war ihre Haltung höchstwahrscheinlich zumindest ambivalent; die Probandin kam ja immer wieder neu, obwohl sie immer wieder “in Trance fiel”. Mit einer Situation, wo eine Person sich durch eine Hypnose ernsthaft bedroht fühlt und ihr strikt negativ gegenübersteht, ist dieser Fall nicht zu vergleichen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass zwar methodisch aussagekräftige Versuche, die die Frage der “Hypnose gegen den Willen” direkt klären würden, fehlen; dass aber Experimente zu verwandten Fragen existieren, die auch für unser Problem erhellend sind, und von denen wir mithilfe von Analogieschlüssen Erkenntnisse auch für unseren Fall gewinnen können. Diese Erkenntnisse sprechen, wie übrigens auch das theoretische Verständnis der Hypnose im Allgemeinen, doch recht deutlich dafür, dass eine Hypnose “gegen den Willen” nicht im eigentlichen Sinne möglich ist. (Damit soll natürlich nicht bestritten werden, dass es Formen des “psychischen Zwanges” gibt, etwa in einem Straflager. Dies ist jedoch keine Frage, die die Hypnose als solche besonders anginge, denn wie oben dargelegt ist Hypnose nicht dasselbe wie allgemeine “Manipulation”.)

Hypnose ohne willentliches Einverständnis und Wissen

In diesem Kapitel soll es nun nicht um die Hypnose gegen den ausdrücklichen Willen gehen, sondern um eine ohne Zustimmung, ohne bewusste Einwilligung. Orne führt vier mögliche Szenarien an, innerhalb derer eine “unbemerkte” Hypnose womöglich stattfinden könnte: a) Hypnose im Schlaf, b) Hypnose im Rahmen einer (durchaus auch informellen) Entspannungsübung, c) spontanes “In-Trance-Fallen” beim Beobachten einer Hypnose-Demonstration bei einer anderen Person und d) “In-Trance-Fallen” bei der Wahrnehmung rhythmischer Stimuli (wie Trommeln bei schamanischen Trance-Ritualen). Ich würde noch e) Fälle ergänzen, bei denen der Hypnotiseur einer Person einerseits vermittelt, dass sie “in Trance gehen” und hypnotische Phänomene zeigen soll, andererseits aber auch, dass sie dies jedoch selbst gar nicht bewusst mitbekommen soll (entsprechende Demonstrationen von Erickson fallen einem ein).

a) Hypnose im Schlaf:

Orne bemerkt hierzu, dass in den Fällen, in denen Hypnose während des Schlafes induziert werden konnte, günstige Voraussetzungen bestanden: Die  entsprechenden Hypnotisanden wurden um ihre Erlaubnis gefragt oder konnten sich jedenfalls  denken, dass sie im Schlaf hypnotisiert werden sollten, und waren damit offenbar einverstanden. Orne berichtet auch, dass er einige Versuche bei “naiven”, also nicht vor-informierten Personen durchführte, die er während des Schlafes zu hypnotisieren versuchte. Alle diese Experimente schlugen fehl: Die betreffenden Personen wachten entweder irritiert auf oder schliefen einfach weiter.

In anderen Fällen, so mag man ergänzen, dürfte zumindest ein besonderes Vertrauensverhältnis zwischen Hypnotiseur und “Subjekt” vorliegen, oder die entsprechende Person wurde bereits zuvor “im Wachsein” durch den Hypnotiseur “in Trance versetzt” und ist auch grundsätzlich einverstanden, von ihm hypnotisiert zu werden. Alle mir bekannten Autoren, die sich mit dem Phänomen der “Hypnose im Schlaf” beschäftigt haben, stimmen zudem darin überein, dass das Subjekt auch bei dieser Art der Hypnose, genauso wie auch bei einer “normalen” Hypnose, die Kontrolle über sich behält und selbst zu entscheiden vermag, welchen Suggestionen es folgt oder nicht. Insbesondere kann es auch wie überhaupt bei der Hypnose “aufwachen”, wenn dazu eine Notwendigkeit besteht. Dies ist auch nur logisch, denn wenn einem Schlafenden nicht nur eine Suggestion gegeben wird, sondern eine regelrechte Hypnose erfolgt, dann geht der Schlaf in den Wachzustand über. Der Hypnotisierte schläft dann also nicht, sondern befindet sich in demselben Zustand wie bei einer normalen Hypnose, und es sollten dieselben Regeln gelten.

Man wird also festhalten können, dass die Hypnose im Schlaf gewöhnlich einer Vorbereitung bedarf, sehr wahrscheinlich auf jeden Fall zumindest eine “implizite” Zustimmung voraussetzt, und dass auch hier der Hypnotisand letztlich Herr seiner selbst bleibt.

b) Hypnose im Rahmen einer Entspannungsübung (oder ähnlicher Verfahren):

Orne schreibt dazu:

“Es ist oftmals möglich für einen Therapeuten, Hypnose durchzuführen, ohne dass der Patient sich darüber bewusst wäre. Indem er den Patienten anweist, sich zu entspannen, indem er ihm suggeriert, dass er sich mit geschlossenen Augen wohler fühlt, und so weiter, kann der Anwender [Hypnotiseur] in relativ kurzer Zeit eine tiefe Stufe der Trance induzieren, ohne dabei jemals den Begriff Hypnose zu gebrauchen.”

Wir können dies sogar noch erweitern: Es existieren unzählige geführte Entspannungs-, Konzentrations-, Meditations- Imaginations- und verwandte Verfahren.  Zu diesen gehören eher formelle und explizite Prozeduren, aber auch Methoden, die eher informeller Natur sind und sich mitunter nicht einmal klar gegen “normale” Kommunikation abgrenzen lassen. Viele dieser Verfahren, darunter auch eher unauffällige, ähneln der Hypnose sehr.

Bei einem Experiment von Irving Kirsch und Kollegen beispielsweise (Kirsch, Mobayed, Council & Kenny, 1992) wurden Probanden entweder mit einer klassischen Hypnoseinduktion formell hypnotisiert oder aber einer typischen Entspannungsmethode (progressive Muskelentspannung nach Jacobson) unterzogen. Die anschließend gemessene Suggestibilität war bei beiden Gruppen die gleiche, und selbst Experten konnten die Teilnehmer des Entspannungs- und Hypnoseverfahrens nicht unterscheiden: weder anhand des allgemeinem Erlebens des Zustandes, noch aufgrund der subjektiven Erfahrungen während der Suggestionstests. Auch bei einem Verfahren, das die “Tiefe” anhand spontaner Tranceerfahrungen misst (“Field’s Inventory of Hypnotic Depth”; Field, 1956), schnitten “Hypnotisierte” und “Entspannte” gleich ab.

Übrigens werden allgemein gesprochen oft selbst bei einer einfachen Entspannungs- oder Imaginationsübung ganz spontan Phänomene der Hypnose auftreten: Manche emüfänglichen Personen werden beispielsweise die Blumen der imaginierten Wiese u.U. tatsächlich “riechen” (olfaktorische Halluzination); sie werden die Wärme der Sonne eventuell in halluzinatorischer Qualität spüren, ebenso den Wind auf ihrer Haut (haptische Halluzinationen); und das ganze Erlebnis ihrer innerer Vorstellung kann für sie so intensiv sein, dass man es als “hypnotischen Traum” bezeichnen würde. Ebenfalls kommt es natürlich oft spontan zu intensivem Absorbiertsein.

Bedeutet das nun, dass man Menschen heimlich hypnotisieren kann, indem man beispielsweise eine simple Entspannungs- oder Imaginationsübung mit ihnen durchführt? Die Antwort hängt in gewissem Sinne von der theoretischen Auffassung zur Hypnose ab.

Hängt man (wie auch der Autor dieses Textes) den Non-State-Theorien an und meint, dass beispielsweise eine typische “Standard-Hypnose” neben der Identifikation mit der “hypnotischen Rolle” genau darin besteht, dass jemand absorbiert und entspannt ist, und bereit, bestimmten Suggestionen zu folgen, dann ist eben genau das Hypnose. Dann macht es auch offensichtlich keinen Sinn, wenn man davon spricht, dass jemand zwar glaubt, er sei “nur” entspannt usw., während er “in Wahrheit” jedoch hypnotisiert sei. Es wäre sonst ja ganz so, als würde man erklären, dass eine bestimmte Person zwar glaube, dass sie auf einem schwarzen Pferd reite; dass sie sich damit jedoch in einem schweren Irrtum befinde, da es sich tatsächlich doch ganz anders verhalte und sie doch “in Wahrheit” auf einem Rappen unterwegs sei. (Siehe dazu “Was ist Hypnose“.)

Das einzige, was sich unter Non-State-theoretischer Perspektive sagen ließe, wäre also, dass jemand, der sich einem Entspannungs- oder ähnlichem Verfahren unterzogen hat, womöglich nicht weiß, dass sein Erleben auch als “Hypnose” bezeichnet werden kann. Wir hätten es hier also nicht mit einem Sach-, sondern einem Sprachproblem zu tun. Eine “Hypnose ohne den Willen” wäre in einem brisanten Sinne gar nicht möglich, denn Hypnose wäre kein eigener, vom Wachzustand und seinen diversen Ausformungen prinzipiell getrennter Sonderzustand.

Die klassischen State-Theorien hingegen beinhalten die Ansicht, dass Hypnose mit einem ganz besonderen Bewusstseinszustand einhergeht, der sich beispielsweise auch von Entspannung, meditativen Zuständen, fokussierter Aufmerksamkeit und der Bereitschaft, auf Suggestionen zu reagieren, essentiell unterscheidet, der also wesentlich über all dies hinausgeht. Teilt man diese Ansicht, so kann man vielleicht durchaus von der Möglichkeit einer “heimlichen” Hypnose sprechen. Dann kann man vielleicht mit einem gewissen Recht sagen, dass jemand glaubt, er sei nur entspannt, während er “in Wahrheit” womöglich “hypnotisiert” sei.

Allerdings stellt sich dann sogleich auch die höchst schwierige Frage, wo Entspannung enden und wo (typische) Hypnose anfangen soll. Gibt es nach dieser Auffassung dann Entspannungs- und Imaginationsübungen, die keine Hypnose darstellen, während andere Formen dieser Übungen versteckte Arten von Hypnose sind? Wo und mit welchem Recht sollte man hier aber auch nur ansatzweise eine Grenze ziehen? Der Verfasser dieser Zeilen muss zugeben, dass wenigstens ihm eine Antwort auf diese Fragen nicht einmal im Entferntesten ersichtlich ist, nicht einmal “in abstracto”. Und wenn Probanden sogar bei solch einem etablierten und nachgerade prototypischen Entspannungsverfahren wie der progressive Muskelentspannung nach Jacobson dieselben Erfahrungen machen wie die Versuchspersonen bei standardisierten Hypnose-Induktionen (in diesem Fall der Fixationsmethode): Zeigt sich dann nicht, wie wenig aussichtsreich und wie sachlich zweifelhaft jeder Versuch einer grundlegenden Abgrenzung und Entgegensetzung zwischen Hypnose einerseits und (geführter) Entspannung und Imagination andererseits sein muss?

(Aus dieser Nähe der Hypnose zu Entspannungs- Meditations- und Imaginationsverfahren folgt übrigens nicht, wie manche dies meinen, dass normale Entspannung oder Imagination oder fokussierte Aufmerksamkeit höchst unheimliche und womöglich sogar gefährliche Phänomene wären; es folgt vielmehr, dass die Hypnose weder obskur noch besonders “gefährlich” ist.)

Aber auch innerhalb der (m.E. fraglichen) Auffassung, dass der Proband sich nach einer (besonderen?) Entspannungsübung in einem angeblich einmaligen hypnotischen Sonderzustand befindet, säße er damit keineswegs etwa “in der Falle”. Denn wie eingangs bereits erwähnt anerkennen auch die State-Theorien, dass der hypnotische Zustand dem “normalen Wachzustand” zumindest ziemlich ähnlich ist und keineswegs etwa eine Form des Schlafes oder der Bewusstlosigkeit darstellt. Und völlig unabhängig von der State- Nonstate-Debatte spricht wie gesagt sehr viel dafür, dass das “Subjekt” die Kontrolle über sein Verhalten beibehält, selbst entscheidet, ob es auf Suggestionen und Instruktionen  reagiert und übrigens bei einer bestehenden Hypnose auch den Rapport zum Hypnotiseur abbrechen und die Hypnose beenden kann (s.o. und s.u.). Im vorliegenden Fall einer angeblichen Hypnose durch ein Entspannungsverfahren dürfte dies sogar eher noch mehr gelten, da der Proband hier nicht an “Hypnose” denkt und daher auch nicht mit der hypnotischen Rolle und ihren potentiellen Konnotationen von “Ausgeliefertsein” und zwanghaft-automatenhaften Reagieren “belastet” ist (siehe wieder “Was ist Hypnose?“; Siehe zudem auch weiter unten die Diskussion, “wann” jemand “hypnotisiert” ist).

Es erscheint daher  also so oder so als fraglich, ob eine “heimliche Hypnose” etwa durch ein Entspannungsverfahren in irgendeinem potentiell besonders “problematischen” Sinne möglich ist.

Im Übrigen gilt natürlich auch, dass jemand in aller Regel nur dann bei einem Entspannungsverfahren mitmachen wird, wenn er gegenüber der anderen Person keine besonderen Bedenken hegt. Orne kommentiert hierzu:

“Selbst wenn das Subjekt nicht explizit zugestimmt hat, hypnotisiert zu werden, ist seine Beziehung zum Hypnotiseur, einem Mann von Reputation und Prestige, hier dennoch von Vertrauen und Zuversicht geprägt, von der berechtigten Erwartung von  Hilfe.”

Wir können neben Therapeuten natürlich auch andere “Typen” von Hypnotiseuren ins Auge fassen, die einen gewissen Vertrauensstatus besitzen; und selbstredend neben Männern auch Frauen (man bedenke, dass Ornes Text zeitlich nicht taufrisch ist).  Aber sicher hat Orne im zentralen Punkt recht, nämlich, dass auch hier das bewusste (oder unterbewusste) Vertrauen und die Kooperationsbereitschaft auf Seiten des “Subjekts” Voraussetzungen des Gelingens sind. Dies dürfte auch für eher subtile Entspannungsverfahren gelten: Fühlt man sich in der Gegenwart einer Person unwohl wird man schwerlich in einen engen Rapport mit ihr eintreten und sich tiefer entspannen.

c) Spontanes In-Trance-Fallen während der Beobachtung einer hypnotischen Demonstration

Es ist bekannt, dass manche Personen selbst spontan “in Trance fallen”, während sie die Hypnose einer anderen Person beobachten. Orne merkt an, dass dies in einigen Fällen selbst dann passieren kann, wenn es dem Betreffenden eher unangenehm ist, fährt jedoch fort:

“Aber auch hier haben wir es wieder mit einem Subjekt zu tun, das mit den Absichten des Hypnotiseurs sympathisiert und überzeugt ist, sich in einer sicheren Situation zu befinden. Es ist die klinische Beobachtung, dass Patienten mit negativen Einstellungen zur Hypnose nicht empfänglich für spontane Trance sind.”

Auch hier würde man also sagen, dass eine gewisse Bereitschaft und ein bestimmtes (eventuell unbewusstes) Einverständnis auf Seiten des potentiellen Hypnotisanden vorliegen müssen. In manchen Fällen mag durchaus auch eine gewisse Ambivalenz bestehen: Die entsprechende Person mag einerseits den Wunsch hegen, nicht in Trance zu fallen, andererseits aber auch ein entsprechendes eigenes Bedürfnis besitzen oder sich unter Druck fühlen, “in Trance zu gehen” (siehe dazu auch das Kapitel “Hypnose gegen den Willen” und dort etwa den Fall der Probandin, der immer wieder aus Interesse die Veranstaltungen eines Showhypnotiseurs besuchte, und dann immer wieder in Trance fiel.) Im Übrigen gelten ansonsten Überlegungen wie in b).

d) Hypnose aufgrund rhythmischer Stimuli

Ist eine heimliche Hypnose möglich, indem jemand rhythmischen Stimuli, etwa beruhigendem Rasseln oder Trommeln, ausgesetzt ist? In diesem Zusammenhang seien zwei Versuche erwähnt, die zeigen, dass selbst Hypnose-Methoden wie etwa Fixation oder sogar eine klassische Induktion allein noch keine Hypnose ausmachen:

– Wenn Probanden lange Zeit einen Gegenstand fixieren, aber keinen Zusammenhang zur Hypnose herstellen, ist ihre hypnotische Suggestibilität nicht erhöht. Nur wenn ihnen dieses Verfahren als “hypnotische Induktion” vorgestellt wird, wirkt es “hypnotisch” (vgl. Hilgard, 1965). Dazu ist zu erwähnen, dass ein im Durchschnitt gesteigerte Suggestibilität zu den “Symptomen” der Hypnose gehört, auch wenn der Wirkmechanismus dahinter umstritten und nicht endgültig geklärt ist (vgl. “Die Non-State-Theorien der Hypnose“).

– In einem Experiment (Gandhi & Oakley, 2005) wurde zuerst die Wachsuggestibilität von Versuchsteilnehmern gemessen. Im zweiten Teil wurden die Subjekte in zwei Gruppen aufgeteilt und exakt derselben klassischen hypnotischen Induktion ausgesetzt; allein, dass in dem einen Fall von einem Entspannungs-Verfahren und im anderen von “Hypnose” die Rede war. Nur die Gruppe, bei der der Begriff “Hypnose” benutzt wurde, reagierte mit erhöhter Suggestibilität. (Dieses Resultat scheint im Widerspruch zu anderen Versuchen zu stehen, die zeigen, dass ein Entspannungsverfahren die Suggestibilität gleichermaßen steigert wie eine klassische Induktion – siehe unter b). Eine mögliche Erklärung: Vielleicht verhält es sich so, dass ein Entspannungsverfahren nur dann die Suggestibilität erhöht, wenn es gleich von Anfang an angewandt wird. Wird hingegen erst einmal die Suggestibilität im Wachzustand gemessen, entwickelt sich womöglich eine feste Überzeugung von der eigenen Suggestibilität, die limitierend wirkt und ohne weiteres Training nur durch die machtvolle Vorstellung von “Hypnose”, nicht jedoch durch die von “Entspannung” durchbrochen werden kann. Siehe zur genaueren Beschreibung des Versuchs von Gandhi und Oakley den Artikel “Wach- und hypnotische Suggestionen”.)

Analoges wie für Fixation- und Entspannungsverfahren dürfte auch für rhythmische Klänge oder andere vergleichbaren Prozeduren gelten: Das Verfahren allein genügt nicht zur Hypnose, es ist nur ein Hilfsmittel. Wesentlicher für die Hypnose, und offenbar sogar unabdingbar, bleibt das Engagement des Hypnotisanden. Ist eine entsprechende Bereitschaft vorhanden, so mögen rhythmische Trommeln den Prozess der Hypnose unterstützenorte. Ist die Bereitschaft nicht da, so werden Trommeln kaum nützlicher sein als Trompeten und vermutlich wenig ausrichten.

Meine starke Vermutung geht in diesem Fall in folgende Richtung. Trommeln und Rasseln allein werden bestenfalls eine oberflächliche Trance erzeugen, wie man ihr im Alltag oft begegnet. Erwartet das Subjekt hingegen eine besondere Trance und ist offen dafür, dann mag ein vertiefter Zustand wie z.B. bei den schamanischen Reisen entstehen. Dieser mag sogar mit erhöhter Suggestibilität einhergehen; aber auch dann ist es Sache der willentlichen Zustimmung der betreffenden Person, auf die Suggestionen zu reagieren.

Das alte Diktum, dass jede Hypnose im Grunde eine Selbsthypnose ist, hat also seine Berechtigung. Wir sollten uns von der Vorstellung lösen, dass hypnotische Verfahren das Subjekt gewissermaßen “automatisch” in einen “hypnotischen Zustand” versetzen; so wie wir uns auch von der Vorstellung verabschieden sollten, dass Suggestionen sich von alleine und selbständig “im Subjekt” verwirklichen. Dass gerade “gute” hypnotische Subjekte ihr Tun als mühelos oder sogar als passiv erleben können, ist zwar vollkommen richtig; es bedeutet jedoch nicht, dass Hypnotisierte tatsächlich passiv wären, sondern nur, dass ihre Aktivität unterbewusst bleibt.

Übrigens hatte bereits Bramwell (1903, S. 155) schon betont: “Physische Mittel allein werden keine Hypnose im menschlichen Subjekt induzieren; es muss wissen, was von ihm erwartet wird.”

e) Fälle, in denen Personen hypnotisiert werden, während ihnen vermittelt wird, dass sie überzeugt sein sollen, nicht hypnotisiert zu sein

Erickson etwa führte immer wieder Demonstrationen von Hypnose vor Publikum durch. Dabei vermittelte er manchmal, dass manche Personen aus dem Auditorium “in Trance” gehen oder hypnotische Phänomene zeigen sollen, während sie glauben und bezeugen sollen, dass sie nicht hypnotisiert seien. (Ich meine, in “Hypnotherapie” von Erickson und Rossi finden sich einige interessante und illustrative Beispiele dieser Art; siehe Erickson & Rossi, 1999.)

Auch hier haben wir es aber offensichtlich wieder mit Fällen zu tun, bei denen die Betroffenen an der Hypnose interessiert und zum Mitmachen bereit sind. Ihr Auftrag lautet, Hypnose und hypnotische Phänomene zu demonstrieren, sich dessen aber nicht bewusst zu sein. Und genau dieser Aufforderung kommen die Betreffenden auch nach, wobei sie offenbar von ihrer Fähigkeit zur Dissoziation Gebrauch machen: Sie tun bestimmte Dinge, während sie das Wissen hiervon von der expliziten Repräsentation in ihrem Bewusstsein ausschließen. (Nur hier und in Fall Nr. (e) – der spontanen Trance beim Beobachten von Hypnose – liegen m.E. übrigens Fälle von “Hypnose” auch im ganz strengen Sinne vor, denn nur in diesen Situationen dürfte der Hypnotisand sich mit Sicherheit auch mit der sog. “hypnotischen Rolle” identifizieren. Siehe dazu “Was ist Hypnose“.)

Zusammenfasend lässt sich sagen: Es dürfte aus den bisherigen Ausführungen klar sein, dass von einer “Hypnose ohne Einverständnis” oder einer “unbemerkten Hypnose” in all diesen Fällen kaum die Rede sein kann.

Was ist eigentlich Hypnose?

Bevor wir uns weiter mit der Frage nach der unfreiwilligen Hypnose befassen, vor allem im Zusammenhang mit der Diskussion überraschender Blitz- und Signalhypnose, ist es an der Zeit, einige Anmerkungen zur Natur der Hypnose zu machen. Bereits eingangs hatten wir in Anlehnung an einen breiten Expertenkonsens festgehalten, dass eine “Hypnose” im eigentlichen Sinne nur dort vorliegt, wo der Proband auf die Suggestionen und Instruktionen des Hypnotiseurs reagiert. Demnach würde es beispielsweise nicht ausreichen, jemanden etwa durch eine Blitzinduktionstechnik für einen Moment in einen Zustand der Konfusion zu versetzen, damit von “Hypnose” – egal ob freiwilliger oder unfreiwilliger – die Rede sein kann. Dass dem tatsächlich so ist will ich jetzt genauer darlegen.

Was ist eigentlich Hypnose? Weder Entspannung noch Konfusion noch Lethargie, nicht einmal notwendig Absorbiertsein. Das lässt sich wie folgt zeigen:

i) Es existieren unzählige Formen von Entspannung, Absorbiertsein oder Konfusion, die kein Mensch vernünftigerweise als “Hypnose” bezeichnen würde, selbst wenn manche dieser Zustände den Erfahrungen bei der typischen Hypnose sehr ähneln können. Entspannung, Absorbiertsein usw. sind für Hypnose also keineswegs zureichend: Ihr Vorliegen genügt nicht, damit auch Hypnose vorliegt.

ii) Umgekehrt kann Hypnose auch ganz auf Entspannung verzichten, und sogar auf intensiveres Absorbiertsein; und in einem Zustand der Konfusion oder Verwirrtheit befindet sich der Hypnotisierte typischerweise eh nicht. Entspannung usw. ist für die Hypnose also auch nicht notwendig; und Konfusion ist nicht mal typisch für sie. Zu beidem siehe: “Was ist Hypnose?”

iii) Speziell zu Zuständen des Schocks, der Lethargie und Konfusion gilt zudem noch: Sie können zwar am Anfang der Hypnose stehen und etwa auch zur Vertiefung benutzt werden, vor allem, wenn sie mild ausgeprägt sind. Wie oben erläutert setzt Hypnose jedoch ein konzentriertes Streben voraus, eine zielgerichtete Aufmerksamkeit auf die zu realisierende Suggestion. Zustände der ausgeprägten Konfusion und ähnliche würden, wenn sie andauernd bestehen blieben, genau diese zielgerichtete Konzentration – und somit die Umsetzung typischer hypnotischer Suggestionen – jedoch erschweren oder gar verhindern.

Dass ein bestimmter Zustand keineswegs ausreicht, damit ein “Subjekt” als hypnotisiert gelten kann, zeigt sich auch an etwas, was wir bereits unter d) im Kapitel  “Hypnose gegen den Willen” gesehen haben: Nämlich dass selbst ein formelles klassisches Hypnoseverfahren, das zu Entspannung führt, für sich genommen noch nicht ausreichen muss, um die Suggestibilität gegenüber “Normalbedingungen” zu erhöhen.

Was zur Entspannung oder zum Absorbiertsein hinzutreten muss,  damit eine “Hypnose” vorliegt, ist wie immer wieder betont die Bereitschaft und Fähigkeit des Subjekts, auf “typische” hypnotische Suggestionen zu reagieren. Diese Bereitschaft und Fähigkeit sind das “Herz” der Hypnose, und erst dadurch wird ein “gewöhnlicher”  Zustand der Entspannung oder ein normales Absorbiertseins zur “Hypnose”. (Wobei wie gesagt notfalls Absorbiertsein und Entspannung sogar fehlen können.)

Sogar noch wichtiger als die Fähigkeit, auf Suggestionen zu reagieren, ist dabei die entsprechende willentliche Bereitschaft. Denn die reine Fähigkeit, Suggestionen umzusetzen, ist bei den meisten Menschen permanent vorhanden. Die Wachsuggestibilität ist viel höher als oft angenommen: Bittet man verschiedene Personen, sich so gut wie möglich typische hypnotische Phänomene vorzustellen und sich auf sie zu konzentrieren, so reagieren die meisten wenigstens auf einige Suggestionstests, und manche sogar auf schwierige. Motiviert man darüber hinaus diese Personen nachhaltig und weckt man bei ihnen positive Erwartungen, so liegt die die Suggestibilität noch höher und entspricht nun sogar ungefähr der Empfänglichkeit nach einer standardisierten klassischen Induktion. In mehr oder weniger hohem Maße “fähig”, auf hypnosetypische Suggestionen zu reagieren, sind die meisten von uns also immer; “dauerhypnotisiert” sind wir hingegen nicht.

Für die Hypnose muss also wesentlich die Bereitschaft zur Reaktion hinzutreten. Dass jemand “prinzipiell” bereit ist, auf hypnotische Suggestionen zu reagieren, genügt aber natürlich auch nicht. Es ist also die akute Bereitschaft im Zusammengehen mit der akuten Fähigkeit zur hypnotischen Reaktion, die die Hypnose mehr als alles andere ausmacht. (Dies gilt wenigstens für die “experimentelle” Hypnose – in der klinischen sind die Prioritäten etwas anderer Art; siehe “Was ist Hypnose?“) Dass die Bereitschaft zum Reagieren jedoch nichts Automatisches oder Unwillkürliches ist, sondern auf Motivation und Willen beruht, haben wir weiter oben ausführlich dargelegt.

Aus dieser Konzeptualisierung folgt eigentlich unmittelbar, dass es eine Hypnose ohne oder gegen den Willen nicht geben kann. Bestenfalls möglich wäre also, jemanden beispielsweise durch eine überraschende Blitzinduktion vorübergehend in einen Zustand der Konfusion, des Schocks, der Dissoziation oder eventuell auch der Entspannung zu versetzen. Eventuell wäre auf diese Weise sogar noch ein Zustand induzierbar, in dem der Betroffene besser auf Suggestionen reagieren kann. Eine Hypnose wäre dies allerdings noch nicht, denn die beruht wesentlich auf der Bereitschaft zur Kooperation, auf der Bereitschaft, den Suggestionen zu folgen. Konfusion oder auch Entspannung infolge von (Blitz)induktionen können “Tore” zur Hypnose sein; mehr sind sie jedoch erst einmal nicht. Eine Konfusion oder Entspannung nach einer Blitzinduktion unterscheidet sich für sich genommen erst einmal nicht von einer beliebigen anderen Konfusion oder Entspannung und hat mit der Hypnose erst einmal auch nicht mehr zu tun als diese.

Die Hypnose selbst kann daher nur der Proband selbst im eigentlichen Sinne “induzieren”, nämlich indem er sich zur Kooperation entscheidet. Diese Entscheidung muss er nicht notwendig bewusst fällen; er mag sie auch eher unbewusst und implizit treffen, spontan und aus der Situation heraus und dynamisch – aber auf irgendeiner Ebene und in irgendeiner Form muss er sie treffen. Falls jemand nach einer überraschenden Induktion dennoch auf Suggestionen und Instruktionen reagiert, obwohl er dies nach reiflicher Überlegung nicht getan hätte, so würde dies an einer Konfusion oder Überrumpelung liegen (s.u.). Konfusion und Überrumpelung sind aber wie gesagt noch keine Hypnose und können auch in völlig nicht-hypnotischen Kontexten auftreten und dazu führen, dass man etwas macht, was man sonst nicht täte.

(Natürlich hängen einige meiner Formulierungen auch von meinem Hypnose-Verständnis ab; so vertrete ich hier ja die Ansicht, dass Hypnose nicht an einen ganz speziellen Bewusstseinszustand gebunden ist. Der Kern der vorgestellten Überlegungen dürfte jedoch ungeachtet unterschiedlicher theoretischer Ansichten auf weite Zustimmung stoßen. Selbst wenn jemand nämlich der Auffassung ist, dass Hypnose essentiell an einen ganz besonderen Zustand gebunden ist, würde das in der Sache keinen entscheidenden Unterschied machen, solange man nur zugesteht, dass Hypnose im vollen Sinne wenigstens auch die motivierte Reaktionsbereitschaft des Subjekts voraussetzt – und das würden die allermeisten zugeben. Man würde dann vielleicht formulieren, dass es u.U.  möglich sein mag, eine andere Person für eine kurze Zeit in einen “hypnoiden” Zustand zu versetzen; dass jedoch ohne implizites Einverständnis auch dann weder ein Rapport entsteht noch der Betreffende auf Suggestionen reagiert; und dass er sich auch rasch aus einem solchen Zustand lösen kann. Davon, dass man Menschen “gegen oder ohne ihren Willen hypnotisieren kann”, könnte also auch unter State-theoretischer Prämisse kaum die Rede sein.)

Wie bereits eingangs erwähnt hängt die Frage einer “unfreiwilligen Hypnose” also entscheidend davon ab, ob Hypnotisierte die Kontrolle über ihr Verhalten behalten; die Entscheidung darüber, ob sie auf die Suggestionen des Hypnotiseurs reagieren oder nicht. Behalten sie die Kontrolle, so können sie selbst entscheiden, ob die bei der Hypnose mitmachen, mitunter also “hypnotisiert” sind; verlieren sie die Kontrolle und reagieren zwanghaft auf die Kommunikationen des Hypnotiseurs, so ist Hypnose ohne und gegen den Willen vorstellbar. Die entscheidende Frage lautet also nicht, ob es möglich ist, eine Person kurzzeitig in einen Zustand der Konfusion oder auch Entspannung zu “versetzen”; sondern sie lautet: “Ist (tiefe) Hypnose a) ein grundlegend veränderter Bewusstseinszustand, in dem b) außerdem die Probanden den Befehlen des Hypnotiseurs gezwungenermaßen gehorchen müssen?

Blitzhypnose

Induktionen durch Blitzhypnose berühren sowohl den Bereich der “Hypnose ohne Willen” wie den der “Hypnose gegen den Willen”. Denn es ist denkbar, dass jemand ohne seinen Willen wie auch gegen ihn auf diese Weise “in Trance versetzt” wird. Deswegen, und weil sie eine besondere Form der Hypnose darstellen,  behandele ich sie in einem eigenen Kapitel. Im Folgenden unterscheide ich “Blitzinduktionen” (“Instant Inductions”) und die etwas langsameren “Schnellinduktionen” (“Rapid Inductions”) nicht. Beide Formen fasse ich hier unter die Bezeichnung “Blitzhypnose”. Die sog. “Signalhypnose”, bei der der Probanden während der Hypnose darauf konditioniert wird, in Zukunft auf ein festgelegtes Signal (einen Trigger) hin erneut in Trance zu gehen, klammere ich erst einmal aus und behandele sie später extra.

Durch Blitzinduktionen können Probanden sehr schnell in Trance gehen. Oft arbeiten solche Verfahren mit Überraschung, manchmal Konfusion oder auch leichtem Schock; die meisten Formen werden jedoch durch die Subjekte als angenehm empfunden. (Charcot allerdings jagte seinen Patienten einst mit Knalleffekten wohl einen erheblichen Schrecken ein.) Gewöhnlich wird direkt nach der unmittelbaren Einleitung intensiv “vertieft”, so dass diese Art der Hypnose, rechnet man die Vertiefung hinzu, letztlich dann oft doch nicht ganz entonces schnell ist. Der Zustand, zu dem eine Blitzinduktion anfänglich führt, kann in Entspannung, Ruhe, Katalepsie, Absorbiertsein, einer gewissen Konfusion oder einer Mischung aus diesen Zuständen bestehen. Manche Personen bemerken überhaupt keine Veränderung durch die Blitzinduktion, reagieren aber dennoch gut auf anschließende Suggestionen (Entsprechendes gilt übrigens auch den langsameren “konventionellen” Induktionen). Besonders bekannt als überraschende Blitzhypnose ist Ericksons “Handshake Interruption”.

Zu unterscheiden sind grob zwei Arten dieser Techniken: a) Verfahren, bei denen der Hypnotisand auf die Hypnose vorbereitet ist und auch die Bereitschaft mitbringt, hypnotisiert zu werden. b) Methoden, die völlig überraschend und auch außerhalb eines hypnotischen Kontextes angewandt werden können.

Der Fall a) erscheint als ziemlich unproblematisch, denn die Probanden wollen hier ja selbst hypnotisiert werden oder sind wenigstens einverstanden.

Der Fall b) ist komplizierter. Um ihn angemessen zu würdigen, müssen wir einige Vorabüberlegungen anstellen. So würde ich meinen, dass es durchaus möglich ist, jemanden ohne seinen Willen etwa in einen Zustand der Konfusion oder Katalepsie  zu versetzen. Eine Reaktion auf eine Blitzinduktion mag also zu einer reflexhaften und instinkthaften Zustandsänderung führen, anders als die normale Induktion, die Motivation und Konzentration voraussetzt und wo der Prozess der Hypnoseeinleitung letztlich eine zielstrebige Handlung des Subjekts darstellt. Wie allerdings  im letzten Kapitel dargelegt, ist ein Zustand etwa der Konfusion für sich genommen noch keineswegs eine Form von Hypnose.

Wir hatten festgestellt und begründet, dass für die Frage nach der “unfreiwilligen” Hypnose alles darauf ankommt, ob der Proband die Kontrolle über sich verliert oder weiterhin auswählen kann, ob er auf Suggestionen reagiert oder nicht. Das bisher dargelegte theoretische Verständnis der Hypnose und zahlreiche Experimente mit konventionellen und “langsamen” Induktionen sprechen nun klar dafür, dass auch der tief Hypnotisierte die Kontrolle über sein Verhalten behält. Daraus sollte folgen, dass das Subjekt auch bei einer plötzlichen Hypnose (durch Blitzinduktion) die Kontrolle über sich behält; denn wir werden ja davon ausgehen dürfen, dass der Zustand bei der konventionellen und langsamen und der überraschenden und schnellen Hypnose grundsätzlich derselbe ist, und dass dieselben Prinzipien in beiden Fällen gelten. (Dies schließt ein, dass die Testperson unmittelbar nach der Induktion bewusst oder unterbewusst bereit sein, in der Trance zu bleiben. Ansonsten würde sie rasch wieder “aufwachen”.) Dennoch wäre es vielleicht noch befriedigender, wenn es einen Test speziell dazu gäbe, ob das “Subjekt” auch nach einer schnellen und unerwarteten Induktion die Kontrolle über sich beibehält. Aufgrund sorgfältiger Experimente der Hypnoseforschung zur Signalhypnose, die ich unten schildere, meine ich, solche Tests präsentieren zu können. Zuerst aber soll es mit dem Erläuterten im Hinterkopf um die “normale” Blitzhypnose gehen.

Betrachten wir nun einige Beispiele:

a) “Hypno Scuptures”: Es gibt offenbar einige Leute, die durch Techniken, wie sie bei der Blitzhypnose Verwendung finden, fremde Personen auf der Straße in eine Art von kataleptischem Zustand versetzen und dann etwa die Gliedmaßen der betreffenden Personen in eine bestimmte Position bringen. In dieser Haltung scheinen die Betroffenen dann für kurze Zeit zu verharren (“Hypno Sculptures”). Dies legen jedenfalls einige Internet-Videos nahe – und dem Anschein nach handelt es sich nicht um ein “Fake”. Es ist m.E. jedoch klar, dass hier kaum eine Hypnose im eigentlichen Sinn vorliegt:

– Der Zustand der Hypnose ist einer der Reaktionsbereitschaft. Ein Phänomen kann rasch durch ein anderes ersetzt werden.

-Katalepsie in der Hypnose ist stets die Folge impliziter oder expliziter Suggestionen, oder von Erwartungen; sie ist kein Charakteristikum der Hypnose als solcher, wie man früher teils dachte, sondern ein mögliches Suggestiv-Phänomen unter vielen – so wie z.B. Analgesie, olfaktorische Halluzinationen oder Levitationen.

– Bei der Hypnose kommt es wie dargelegt darauf an, dass das Subjekt durch zielgerichtete Konzentration ein bestimmtes Phänomen wie z.B. die Katalepsie herbeiführt. Dass die Personen, die zu “Skulpturen” gemacht werden, auch nur in einem verwandten Sinne wie bei der Hypnose durch die Kraft ihrer Konzentration ihre Katalepsie selbst erzeugen, muss doch als höchst fraglich gelten. Weder willentliche Motivation noch auch nur die reine Konzentration auf eine Idee sind hier doch anzunehmen. Das “konfundierende”, überrumpelnde Verhalten der “Künstler”, die die menschlichen “Skulpturen” schaffen, lässt eher auf eine instinkthafte Reaktion der Subjekte schließen, auf eine Art von reaktiver Starre.

– Es spricht alles dafür, dass das hypnotische Subjekt wenigstens auf unterbewusster Ebene stets in der Lage ist, eine (spontane) Katalepsie willentlich zu beenden; in aller Regel vermag der Proband das aber auch ganz normal und mühelos völlig bewusst zu tun. Bei den “Hypno Sculptures” hingegen scheint tatsächlich ein  Zustand psychophysischer Erstarrung eingetreten zu sein. Der Betroffene scheint sich in einem “abwesenden” Zustand zu befinden; er scheint vielleicht auch nicht in der Lage zu sein, die Katalepsie rasch zu beenden.

– Es ist (mir) nicht bekannt, ob die “Hypno Sculptures” auch durch typische hypnotische Suggestionen beeinflussbar sind (z.B. zu Levitation oder Halluzinationen). Ich bezweifle es, aber es wäre die Voraussetzung für Hypnose in dem von uns erläuterten und begründeten Sinne.

– Aber selbst, wenn “Hypno Sculptures” für typische hypnotische Suggestionen empfänglich wären, bliebe die Frage nach dem “warum”. Es erscheint möglich, dass sie zwar irritiert sind, sich jedoch nicht ernsthaft bedroht fühlen und daher spontan mitmachen. Menschen im Zustand einer Konfusion lassen sich mitunter von anderen spontan in eine Richtung “vorantreiben”. (Das gilt wie gesagt unabhängig von der Hypnose und allgemein). Zudem wäre natürlich auch noch zu untersuchen, ob ein eventuelles Reagieren auf Suggestionen von derselben Art wie bei der Hypnose wäre – wie gesagt scheint es ja verschiedene Arten der Suggestibilität zu geben, durch die hypnosetypische Effekte evozierbar sind, und nicht alle haben mit “hypnotischer Suggestibilität” zu tun.

Das Wissen –  jedenfalls meines – über die “Hypno Sculptures” ist jedenfalls zu gering, um Definitives sagen zu können, aber es bestehen doch große Zweifel, dass hier “Hypnose” vorliegt. Es ist übrigens interessant, was Bramwell (1903, S. 155, f.) bereits vor über 100 Jahren im Zusammenhang mit der sog. “Tierhypnose” feststellte, und was sich analog auf unseren Fall übertragen lässt:

“Physische Mittel allein werden keine Hypnose im menschlichen Subjekt induzieren; es muss wissen, was von ihm erwartet wird…Katalepsie ist nur eines der hypnotischen Phänomene, und ein eher unbedeutendes. Eines der wichtigsten Charakteristika des hypnotischen Zustandes ist die Schnelligkeit, mit der ein Phänomen in sein Gegenteil verwandelt werden kann…” Bramwell argumentiert dann, dass bei der Hypnose die Kontrolle über den Organismus erhöht sei, Bewusstsein und der Willen jedoch unvermindert blieben.

b) Mentalmagie: Es gibt sog. Mentalmagier – am bekanntesten ist wohl Deren Brown -, die offenbar in der Lage sind, unmittelbar halluzinatorische Erlebnisse bei manchen Personen zu erzeugen. Das Verfahren dazu scheint vom Prinzip her aus der Zauberei zu stammen (s.u.). In einem bekannten Video etwa zahlt Brown mit einem weißen Papier, das der Kassierer offenbar für einen Geldschein hält. Nun weiß ich nicht genauer, wie diese Form der Mentalmagie funktioniert, bezweifle jedoch sehr, dass hier eine Form der Hypnose bzw. ein hypnotisches Phänomen vorliegt.

Es sei noch einmal daran erinnert: Hypnotisch suggestible Personen können zwar während einer Hypnose und selbst im “Wachzustand” ohne formelle Induktion schwierige Halluzinationen erzeugen; jedoch scheinen Motivation und Engagement sowie (unbewusste) Konzentration jedoch wesentliche Bedingungen für hypnotische Phänomene im Allgemeinen und Halluzinationen im Besonderen zu sein (z.B. Bramwell, 1903, Barber, 1969; Crawford, 2001; Mallard 2002; Wagstaff et al., 2002). Der Hypnotisierte muss die Halluzination “erzeugen”, muss sie in irgendeiner Form “beabsichtigen”.

Bei hypnotischen Halluzinationen besteht zudem ein oftmals zwar unterbewusstes, stets jedoch bedeutsames und handlungsrelevantes Wissen um die “tatsächliche” Wirklichkeit; letztlich eine unbewusste Kontrolle über die Illusion (siehe z.B. “Patties Experiment“, “Youngs Experiment, “hypnotische Halluzinationen”, “Hypnose-Verbrechen“, “Ein paar Beobachtungen zur Trancelogik“.)

Die hypnotische Halluzination scheint also geprägt zu sein durch a) Konzentration, b) motiviertes Engagement und c) unterbewusste Kontrolle auf Seiten des “Subjekts”.

Bei den Demonstrationen von Brown und anderen Mentalisten scheint all dies jedoch genau nicht der Fall zu sein: Ein (unbewusstes) Streben und Engagement, um zielgerichtete eine Halluzination zu erzeugen, liegt hier wohl kaum vor. Die Halluzinationen scheinen vielmehr völlig unwillkürlich zu entstehen, ohne dass die Betroffenen dazu in irgendeinem Sinne etwas “absichtlich” beitragen würden. Mehr noch, bei mentalistischen “Stunts” dieser Art werden die unfreiwilligen Versuchskaninchen andauernd abgelenkt. Eine bewusste oder auch nur unbewusste Konzentration auf die erwünschte Halluzination, wie sie im Fall der Hypnose besteht, soll hier offenbar gerade vereitelt Werden Die Halluzination entsteht in diesem Fall also wohl eher rein unwillkürlich, unabsichtlich und in gewissem Sinne “beiläufig”. Auch eine unterbewusste Kontrolle, die das Handeln der entsprechenden Probanden entscheidend beeinflussen würde, scheint bei den Versuchen von Mentalmagiern nicht zu existieren.

Auch wenn mir genauere Kenntnisse fehlen, habe ich mir von kompetenter Seite sagen lassen, dass Illusionen bei der Mentalmagie zwar real seien, aber ganz wesentlich auf einem Trick aus der Zauberkunst beruhten; dass es ferner nicht möglich sei, dieses Vorgehen für eine therapeutische Hypnose zu wählen. Dies klingt ebenfalls danach, dass andere Mechanismen als bei der Hypnose ausschlaggebend sind. Im Moment jedenfalls halte ich es doch für ziemlich zweifelhaft, dass die Demonstrationen der Mentalmagie mit Hypnose mehr als nur marginal verwandt sind. (Sollte es sich bei der Mentalmagie aber doch um eine Form der Hypnose handeln, so müssten für sie dieselben Regeln und Restriktionen für diese gelten wie für jede Hypnose, so dass also doch eine Kontrolle durch das Subjekt besteht. Oder es wäre ein erweiterter Hypnose-Begriff vonnöten, bei dem wesentlich verschiedene Formen der Hypnose unterschieden werden. Denn zumindest für die “normale” Hypnose lässt sich das Bestehen einer Kontrolle wie gesagt überzeugend demonstrieren.)

Da mentalmagische Halluzinationen offenbar nicht auf “Hypnose” beruht und außerdem selbst eine starke Erwartung offenbar selten ausreicht, um “große” Halluzinationen wie z.B. eine vollständige negative visuelle Halluzination zu erzeugen, müsste demnach also ein anderer “dritter”Wirkmechanismus bestehen.

c) Ericksonsche Induktionen hypnotischer Phänomene “aus dem Stand heraus”: Erickson war in der Lage, ohne formelle Induktion und ohne Instruktionen zu Konzentration und Imagination nicht nur Trancezustände zu erzeugen (was noch nicht so beeindruckend ist), sondern auch schwierige Phänomene wie Halluzinationen (was durchaus beeindruckender ist; Erickson & Rossi, 1999). Dies vermochte er offenbar in gewisser Weise “aus dem Gespräch heraus” zu tun. Einen Spezialfall dieser Art hatten wir bereits im Kapitel “Hypnose ohne willentliches Einverständnis und Wissen” unter e) erwähnt; aber auch in anderen Kontexten als bei Hypnose-Demonstrationen schien Erickson in der Lage zu sein, Suggestiv-Phänomene in solch einer spontanen Weise zu induzieren. Dennoch geschah jedoch auch dies innerhalb eines “hypnotischen Settings” und/oder im Rahmen einer Vertrauensbeziehung. Erickson war offenbar in außergewöhnlicher Weise in der Lage, “dem Unterbewusstsein” einer Person etwas mitzuteilen, ohne dass “das Bewusstsein” es mitbekommen musste. Er konnte eine Person augenscheinlich dazu motivieren, etwas zu wollen, ohne dass sie ihren Wunsch auf bewusster Ebene bemerken musste.  Bei Ericksons Interventionen dieser Art haben wir es wohl mit “hypnotischen Phänomenen” im eigentlichen Sinne zu tun, aber Erickson selbst hätte sofort  zugestanden, dass sie eine zumindest unterbewusste Kooperationsbereitschaft voraussetzen. Nur weil das Subjekt zur Kooperation mit Erickson bereit war und willig, seinen Suggestionen zu folgen, erlebte es Trance oder hypnotische Phänomene.

d) Ein Bericht vom Hörensagen: Trotz der vielen Fragezeichen möchte ich auch dies wiedergeben: Ein mir nicht weiter bekannter Hypnotiseur behauptete im Internet, dass es ihm gelungen sei, unbekannte Personen durch eine Blitzinduktion in einen hypnotischen Zustand zu versetzen, in dem sie dann auch weitere Suggestionen ausführten. Dies sei in mehreren Fällen so gewesen. Leider konnte ich trotz Nachfrage keinerlei weitere Informationen von diesem Hypnotiseur erhalten. Allerdings war nicht die Rede davon, dass die betroffenen Personen den Hypnotiseur angezeigt der sich oder sich gar tätlich mit ihm auseinandergesetzt hätten, noch war von anderen negativen Konsequenzen die Rede. Dies könnte, falls die Geschichte denn wahr ist, darauf hindeuten, dass die betroffenen “Subjekte” sich in der entsprechenden Situation nicht ernsthaft bedroht oder gefährdet fühlten, sondern vielleicht eher überrascht waren und daher spontan den offenbar harmlosen  Anweisungen folgten. Auch hier wären zudem Fragen wie in den Fällen a) und b) zu stellen. Da ich allerdings keinerlei genaue Informationen besitze, da der Hypnotiseur trotz mehrerer Nachfragen keinerlei auch nur ungefähre Details nannte, und da mir jedwede Möglichkeit fehlt, überhaupt die Glaubwürdigkeit der Schilderungen einzuschätzen, halte ich es nicht für zielführend, auf dieser Basis weitere Spekulationen anzustellen. (Im Übrigen existieren im Internet auch Berichte über die angebliche Gefährlichkeit der Hypnose, von denen definitiv feststeht, dass sie komplett frei erfunden wurden. Ich möchte das nicht in diesem Fall unterstellen, aber die Problematik im Hinblick auf Verlässlichkeit entsprechender Quellen dürfte klar sein.)

Die genannten Fälle haben uns beim Versuch einer Klärung der Frage, ob Blitzhypnose ohne und gegen den Willen einer Person möglich ist, also nicht wesentlich weitergebracht; sie eignen sich eher, um methodische Probleme des Themas zu veranschaulichen als uns zu neuen Einsichten zu führen. Das nachfolgende Kapitel zur “Signalhypnose” vermag nach meiner Einschätzung jedoch, indirekt ein erhellendes Licht auch auf die “normale” Blitzhypnose zu werfen.

Signalhypnose

Bei der “Signalhypnose” reagiert der Proband auf einen Schlüsselreiz/Trigger, der in einer früheren Hypnose etabliert wurde. Auf diesen posthypnotischen Auslöser hin geht er beispielsweise erneut “in Trance” – das ist der Fall, der uns hier natürlich interessiert. Das Erfreuliche ist, dass es gut beschriebene und dokumentierte Experimente zu diesem Thema gibt, die für unsere Diskussion unmittelbare Relevanz besitzen. Zuvor jedoch zu ein paar Einzelbeobachtungen, die wenigstens einen Blick lohnen.

Ein Hypnotiseur schilderte im Internet glaubhaft Experimente folgender Art, die er mit vertrauten anderen Hypnotiseuren durchführte: Auf einen Trigger hin ging er zwar unwillkürlich in einen Trancezustand, konnte diesen aber sehr schnell und mühelos beenden. Der Hypnotiseur selbst interpretierte das so, dass eine Hypnose gegen den Willen nicht möglich ist. Zu bedenken ist außerdem auch hier wieder, dass dieser Versuch in einem sicheren Kontext und zusammen mit Hypnotiseuren stattfand, zu denen offenbar eine Vertrauensbeziehung besteht (der Hypnotiseur erwähnte, dass er und die anderen oft Experimente zusammen unternehmen). Und selbstredend liegt auch hier ziemlich sicher eine positive Einstellung zur Hypnose vor.

In einem anderen einigermaßen glaubhaften Fall berichtete ein ehem. Showhypnotiseur von einer Probandin, mit der er viele Experimente durchgeführt und bei der er einen Trigger gesetzt hatte. Monate später traf er sie wieder;  er wettete, dass er sie noch (mittels des Triggers) hypnotisieren könne, während sie dagegen hielt. Er gewann nach seiner Schilderung diese Wette. Auch hier bestanden auf Seiten der Versuchsperson aber offensichtlich positive Einstellungen zur Hypnose, und nach den Schilderungen bestand ein Vertrauensverhältnis, wenn nicht sogar eine Freundschaft zum Hypnotiseur.

In wieder einem anderen Bericht, über dessen Glaubwürdigkeit ich mir nicht sicher bin, der aber aufgrund seiner Details einigermaßen überzeugend klingt, ist von einem noch unerfahrenen Hypnotiseur die Rede, der mit einem Probanden, der sehr suggestibel ist, verschiedene Versuche unternahm; darunter ohne Absprache wohl auch einige, die zwar nicht gefährlich, für den Probanden jedoch unangenehm waren. Daraufhin konnte der Hypnotiseur sein ehemaliges Subjekt nicht mehr hypnotisch beeinflussen, und auch der Trigger, der zuvor ausgezeichnet funktioniert hatte, blieb nun gänzlich wirkungslos.

Soweit man überhaupt irgendetwas aus diesen teilweise unsicheren und vagen Einzelfallberichten schließen kann, wäre es vielleicht wieder, dass auch eine “unfreiwillige” Hypnose durch einen posthypnotischen Auslöser von einer sicheren Situation und/oder dem Vertrauen zum Hypnotiseur abhängt; letztendlich also von einer wenigstens unterbewusst bestehenden Kooperationsbereitschaft.

Interessanter und verlässlicher ist hier die Erforschung des posthypnotischen Triggers durch die Hypnosewissenschaft. Ganz allgemein gilt nämlich vor allem, dass das Reagieren auf einen hypnotischen Trigger zwar als unwillkürlich, automatisch und sogar zwanghaft erlebt werden kann, dass es all dies jedoch tatsächlich objektiv nicht ist. Dies konnte durch sorgfältige Experimente sehr überzeugend demonstriert werden. So setzt die Reaktion auf den posthypnotischen Auslöser insbesondere (bewusste oder unbewusste) Interpretations- und Entscheidungsprozesse voraus. (Zu einer kurzen Begründung siehe “Totale Manipulation durch posthypnotische Suggestionen?“; zu einer ausführlichen siehe “Der posthypnotische Trigger[…]“.) Wir können damit also schon einmal sagen, dass eine im eigentlichen Sinne “unfreiwillige” Hypnose durch einen Trigger praktisch unmöglich ist. Dennoch lohnt es sich, uns näher mit der Thematik zu befassen – es wird gleich klar werden, warum.

Es hatte sich im Laufe der Zeit klar gezeigt, dass die Frage, ob man Hypnotisierte zu Verbrechen bringen kann, die sie “normalerweise” nicht begehen würden, nicht innerhalb eines formellen Experiments klärbar ist. Der Grund dafür ist, dass die Probanden sich stets ausrechnen, dass unsichtbare Schutzmaßnehmen bestehen müssen, ganz egal wie “realistisch” die Versuche auch erscheinen mögen (siehe “Youngs Experiment”). Deswegen hatten Coe, Kobayashi und Howard (1972, 1973; siehe auch Laurence & Perry, 1988) sich zwei spezielle informellere Experimente ausgedacht:

Aus einer größeren Gruppe von Personen suchten sie im ersten Versuch diejenigen aus, die (relativ) hohe Werte auf einer Suggestibilitätsskala erreichten  (ca. das suggestibelste Fünftel der Gruppe). Coe et al. trainierten diese hypnotisch guten Testpersonen darauf, auf den Trigger “go to sleep” hin erneut “in Trance zu gehen”. Außerhalb des offiziellen Versuchs traf einer der Experimentatoren jedes Subjekt abseits des Psychologie-Labors – er hatte die Versuchspersonen dorthin bestellt. Mithilfe des Triggers wurden die Probanden dann rehypnotisiert und gedrängt, Unterlagen für den Experimentator zu stehlen. Der Experimentator arbeitete jedoch auch mit völlig “wachen” Personen, die er in derselben Weise, nur ohne Hypnose, um ihre Hilfe beim Stehlen bat. Tatsächlich hatten hier allerdings viele Testpersonen den Verdacht, dass es sich um ein verdecktes Experiment handelte, was dessen Aussagewert deutlich mindert.

Erst als Coe et al. bei in einem zweiten Versuch noch vorsichtiger und geschickter vorgingen, gelang es ihnen, die weitaus meisten Probanden zu täuschen. Sie wählten wieder die besten Subjekte aus einer größeren Gruppe aus (ca. das oberste Siebtel) und trainierten sie wieder, auf den Trigger “go to sleep” hin erneut in Trance zu gehen. Diesmal traf der Experimentator die Probanden scheinbar “zufällig”, rehypnotisierte sie und versuchte dann, sie dazu zu überreden, mit ihm Heroin zu verkaufen, da der übliche Partner angeblich ausgefallen sei. Wiederum wurde versucht, auch “Wache” auf dieselbe Weise zu behandeln. Hier gelang nun die Täuschung der meisten Versuchspersonen – sie glaubten, dass es sich nicht um ein verstecktes Experiment handele, sondern dass sie wirklich beim Dealen mitmachen sollten.

Das Ergebnis bei beiden Experimenten (Stehlen und Dealen) war, kurz zusammengefasst, dass die “Wachen” genau so kooperativ waren wie die Hypnotisierten, in der Tendenz sogar mehr. Und beim zweiten und realistischeren Experiment (Heroin) weigerten sich sowohl die Hypnotisierten wie die Wachen mehrheitlich. Diejenigen Versuchspersonen, zu denen die Experimentatoren eine gewisse soziale Beziehung aufgebaut hatten,  machten allerdings eher mit als die anderen, egal ob sie hypnotisiert waren oder nicht.

Ob diese Versuche prinzipiell und strikt widerlegen, dass Hypnotisierte zu Verbrechen zu bewegen sind, die Wache nicht begehen würde, sei hier dahingestellt. Die Anzahl der Probanden war nicht sehr groß, und man könnte beispielsweise einwenden, dass vielleicht ein sehr langes Hypnose-Training in zahllosen SItzungen und kombiniert mit anderen Methoden die Manipulierbarkeit mehr steigert als dasselbe Prozedere ohne Hypnose, obwohl ich das persönlich nicht für überzeugend halte. Das braucht uns hier aber auch gar nicht weiter zu interessieren, denn auf jeden Fall sprechen diese Experimente deutlich dafür, dass die Personen, die durch einen posthypnotischen Trigger hypnotisiert werden, jedenfalls unter Normalbedingungen genau so viel Kontrolle über ihr Verhalten besitzen wie “Wache”.

Nun dürfte eine Hypnose mithilfe eines Triggers jedoch sicher mindestens so “tief” sein wie eine beliebige vermeintliche “Hypnose gegen den Willen”, also wie z.B. eine überraschende Blitzhypnose. Das gilt natürlich umso mehr im vorliegenden Fall der Experimente von Coe et al., wo die Gruppe der Probanden aus tranceerfahrenen und hochsuggestiblen hypnotischen Subjekten bestand, die speziell darauf trainiert worden waren, auf einen posthypnotischen Auslöser hin zuverlässig in Trance zu gehen, und wo bereits ein Rapport zum Hypnotiseur etabliert war. Die Hypnose dieser Personen war sicherlich deutlich profunder als diejenige, die bei den meisten nicht vorselektierten Subjekten “auf die Schnelle” etwa durch eine Blitzhypnose zu erreichen wäre.

Was bedeutet dies? Mein Argument ist nun dieses: Die Versuchspersonen in den Experimenten von Coe et al. waren nach Auslösung des Triggers sicherlich im Allgemeinen deutlich suggestibler als das durchschnittliche Subjekt bei einer vermeintlichen “Induktion ohne oder  gegen den Willen” (etwa durch überraschende Blitzhypnose). Wenn nun aber selbst diese “tiefer hypnotisierten” Probanden von Coe und Kollegen die volle Kontrolle über sich selbst behielten, dann müssten auch die “weniger tief hypnotisierten” Subjekte nach einer vermeintlichen “(Blitz)hypnose ohne oder gegen den Willen” (i) entweder erst recht Herr über sich selbst bleiben; oder (ii), wenn doch nicht, so läge das nicht an der hypnotischen Suggestibilität. Ein erhöhter Gehorsam nach einer Überrumpelung wäre stattdessen dann  auf non-hypnotische Faktoren wie Konfusion, Irritation, Verunsicherung, fehlende Orientierung und ähnliche “normale” sozialpsychologischen Faktoren zurückzuführen.

Soweit also nicht vielleicht eine  besondere Überraschung und Überrumpelung vorliegt, die jedoch als solche mit der Hypnose erst einmal nichts zu tun hat, dürfen wir daher ganz allgemein schließen: Eine Hypnose (z.B. in Gestalt einer überraschenden Blitzhypnose) führt nicht zu einer erhöhten Kooperationsbereitschaft. Natürlich ist es ohnehin, auch bei “langsamen” Induktionen, der allgemeine Befund, dass Hypnose nicht zu einem erhöhten Gehorsam führt (s.o.). Dennoch sind die Versuche von Coe et al. mit den Triggern für unser Thema “Hypnose ohne und gegen den Willen” besonders aufschlussreich, speziell für die Frage der unfreiwilligen Blitzhypnose, da die Probanden bei diesen Experimenten sehr überraschend und sehr schnell hypnotisiert wurden.

Entsprechend der vorgeschlagenen und ausführlich begründeten Definition ist jemand aber nur dann im eigentlichen Sinne “hypnotisiert”, wenn er den Suggestionen und Instruktionen des Hypnotiseurs Folge leistet. Damit ätte sich (erneut) gezeigt, dass eine Hypnose “ohne oder gegen den Willen” auch mittels einer plötzlichen und überraschenden Induktionen nicht möglich ist.

Gehen wir noch mal zu den Versuchspersonen von Coe et al. zurück, die überraschend durch einen Trigger rehypnotisiert worden waren. Konnten die Probanden spontan aus der Trance “aufwachen”? Sicherlich, denn sie besaßen offenbar ja dieselbe Kontrolle über ihr Verhalten wie Wache. Aber die Frage ist eigentlich falsch gestellt. Nicht in erster Linie dadurch, dass die Probanden in so einer Situation einen besonderen Zustand der Entspannung, des Absorbiertseins oder der Trance beenden, würden sie aufhören, “hypnotisiert” zu sein – obwohl sie das natürlich auch tun könnten. Die Hypnose würde vielmehr dann enden, wenn diese Personen nicht länger bereit wären, mit dem Experimentator in jener Form zu kooperieren, die das Verhalten hypnotischer Subjekte ausmacht.

Ein Beispiel noch

Im Nachhinein ist mir noch ein Beispiel für eine vermeintlich unfreiwillige Hypnose eingefallen, das von Dünninger, Kunzelmann und Lang (1988) beschrieben wird (siehe auch Kossak, 2013). Nach einer Showhypnose war es Dünnniger et al. gelungen, einen zuvor vom Showhypnotiseur “gesetzten” Trigger zu nutzen, um einige Probanden zu rehypnotisieren.

Auch hier hat man es jedoch wieder mit einer Situation zu tun, in der die Betroffenen keinen Grund zur Sorge hatten. Zudem dürften sie ziemlich sicher positive Einstellungen zur (Show)hypnose gehabt haben und bereit gewesen sein, auf Hypnose zu reagieren – das hatten sie zuvor je gerade bewiesen.

Zudem gilt, dass die Reaktion auf einen Trigger zwar als “automatisch” erlebt werden kann, nicht jedoch im strengen Sinne automatisch ist” (s.o. und z.B. Barnier 1999; Heap, 2000).

Da ich den Fall von Dünninger et al. ausführlich im Artikel “Eine etwas freundlichere Sicht auf die Bühnenhypnose” beschrieben habe, möchte ich einfach auf diesen verweisen.

Schlussfolgerungen

Orne merkt zur Hypnose ohne willentliche Zustimmung und gegen den Widerstand des “Subjekts” an:

“Trance wird gewöhnlich in Situationen induziert, in denen das Subjekt a priori motiviert ist, mit dem Hypnotiseur zusammenarbeiten, gewöhnlich um Erleichterung von einem Leiden zu erhalten, um etwas zu einer wissenschaftlichen Studie beizutragen, oder (wie in der Bühnenhypnose) um im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen. Beinahe alle Informationen über Hypnose, die derzeit erhältlich sind, stammen aus solchen Situationen, und diese Tatsache muss bedacht werden, wenn jemand versucht, die Daten auf Situationen anzuwenden, die von diesen verschieden sind. [….] Wir kommen zum Schluss, dass viele scheinbare Fälle von Hypnose ohne Gewahrsein oder Einverständnis alle von einer positiven Beziehung zwischen Subjekt und Hypnotiseur abzuhängen scheinen.”

Oder von einer Situation, in der das Subjekt sich hinreichend sicher fühlt, wie man ergänzen mag. Was damals schon durch Orne und andere vermutet wurde, hat inzwischen weitere Unterstützung durch neuere Forschungsarbeiten erhalten, wie ich darzustellen versucht habe. So würde ich meinen wollen, dass die Aussage, dass niemand ohne seine Zustimmung oder gegen seinen Willen hypnotisiert werden kann, heutzutage recht gut fundiert ist. Hypnose ohne bewusstes Einverständnis oder gegen den bewussten Willen mag zwar – in einem gewissen Sinne verstanden – manchmal funktionieren, scheint jedoch recht eindeutig eine übergeordnete (unterbewusste) Kooperationsbereitschaft vorauszusetzen.

Literatur

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